600 Jahre Herzberger Schützengilde
(1407-2007)
|
|
|
|
Von Bogenschützen und Wildsauen (1) Zu allen Zeiten gab es Bürger, die sich
darum bemühten, das Gründungsjahr der Herzberger Schützengilde, der ersten
wehrhaften Bürgerorganisation in der Stadtgeschichte des frühen Mittelalters,
durch Dokumente und Urkunden genau festzulegen. Es ist lange nicht gelungen,
so dass sich endlich unsere Vorfahren beim 300-jährigen (?) Jubiläum der
Herzberger Schützengilde (vom 17.-19. Juli 1857) nach gründlicher Diskussion
endgültig auf das Jahr 1407 als Gründungsjahr festlegten. Damit kann im
nächsten Jahr 2007 das 600. Gründungsjubiläum der Schützengilde gefeiert
werden. Mit der Eroberung und Besiedlung der ursprünglich slawischen Gebiete
östlich der Elbe und der Schwarzen Elster erfolgte die Anlage fester Orte und
die Wiedernutzung slawischer Orte durch die neuen deutschen und
niederländischen Siedler. An Flüssen und wichtigen Wegekreuzungen entstanden
größere Orte, wie z.B. Herzberg, die durch erste wehrhafte Anlagen, zunächst
nur von Wällen und Gräben, gegen feindliche Eroberungen geschützt wurden.
Erste Nachrichten besagen, dass schon vor 1298 Herzberg von solch einfachen
Verteidigungsanlagen umgeben war, die dann nach und nach durch feste Mauern
mit Tortürmen und Mauertürmen, durch 3 Tore und Zugbrücken, mit zusätzlichen
Wassergräben und einem Pulverturm zur sicheren Wasserfestung wurde. Die ersten
Bewohner unserer Stadt (nach 1184) waren in Handwerkerinnungen organisiert,
aus denen waffenfähige Mannschaften für die Verteidigung und für die
Heerfolge rekrutiert wurden. Der Kern dieser wehrhaften Bürgergemeinschaft,
die mit Lanzen, Piken, Hellebarden, Schwertern, Sensen, Dolchen, Äxten,
Morgensternen usw. ausgerüstet wurden, waren die Bogen- und Armbrustschützen.
Während in den Innungen die Altmeister das Sagen hatten, führten die
Viertelmeister und Achtelmannen bei den Bogenschützen und Armbrustschützen
als Offiziere das Kommando. Den Oberbefehl über alle waffenfähigen Männer der
Stadt hatte der Stadtvater, der Bürgermeister. Der Bogen galt damals als
älteste und wichtigste Jagdwaffe. Er war aus Ulmen- oder Eichenholz oder aus
Horn hergestellt. Mit dem Bogen wurden Pfeile oder gefiederte Bolzen
abgeschossen. Schon unter Kaiser Karl dem Großen (768-814 n. Chr.) bestand
die Anordnung, dass jeder freie Bürger den Heerbanndienst mit Bogen, Köcher,
Pfeilen oder Bolzen zu absolvieren habe. Übrigens erfreut sich das
Bogenschießen bis in die heutige Zeit eines hohen sportlichen Interesses.
Seit 1972 ist das Bogenschießen sogar olympische Disziplin. Die heutigen
Bogenschützen sind in den Schützenverbänden der Gegenwart integriert. Die
Armbrust (arcuballista=Bogenschleuder) bürgerte sich nach dem 1. Kreuzzug
(1096-1099) ein. Im 13. Jahrhundert gebrauchten die Armbrustschützen in den
Städten bereits Bügel aus Stahl, die mit dem Fuß gespannt und später mit
einer Handwinde oder einem speziellen Spanner schussbereit gemacht wurden.
Als Geschoß verwendete man Bolzen, aber auch Kugeln.
Fortsetzung
folgt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Von Bogenschützen und Wildsauen (2) Aus all den
wehrhaften Bürgerorganisationen, die ausschließlich der Verteidigung dienten,
bildeten sich schließlich die ersten Schützengilden bzw. Schützengesellschaften.
Schon im 13. und 14. Jahrhundert entstanden aus den Bogen- und
Armbrustschützengesellschaften nach dem Muster der Handwerkerzünfte
Schützengilden mit eigener Lade und Vorsteher, mit besonderen Statuten und
mit kirchlicher Weihe. Als um 1300 der Franziskaner Mönch Berthold Schwarz in
Freiburg im Breisgau das Schießpulver entdeckte, erfuhren die städtischen
Verteidigungsgesellschaften eine qualitative Veränderung. Das Schießpulver
oder Schwarzpulver (schon vorher in China bekannt) war ein Gemisch aus
Holzkohle, Schwefel und Kalisalpeter. Es rief die Geburt einer neuen Waffe
hervor und so bildeten sich Büchsengesellschaften, was wiederum eine
allmähliche Umrüstung der Bogenschützen- und Armbrustschützengesellschaften
bewirkte.
Eine
Nachricht im Herzberger Ratsarchiv besagt, dass im Mai 1454 der Bischof Caspar
in Meißen einer Altarstiftung der Genossenschaft der Bogenschützen in
Herzberg zu Ehren der Heiligen Fabianus, Sebastianus, Cosmas und Daminanus
zustimmte. In den „Geleitsprivilegien der Stadt Herzberg“ (1423 verfasst) ist
bereits erwähnt, dass schon früher zur volkstümlichen Erholung der
Bürgerschaft an Sommertagen die Handwerkerzünfte und die
Schützengesellschaften Armbrustschießen, Vogel- und Scheibenschießen unter
Aufsicht der Herzberger Ratsmänner veranstalten sollten. An dieser Stelle sei
an die Festrede des Herzberger Chronisten, Dr. Karl Pallas, anlässlich der
500-Jahrfeier der Herzberger Schützengilde im Jahre 1907 erinnert, bei der er
wieder auf das umstrittene Gründungsjahr 1407 einging. Er wies darauf hin,
dass schon viele Nachbarorte Herzbergs ihre 500-Jahrfeiern abgehalten hätten,
so dass das im frühen Mittelalter wichtige Herzberg durchaus die Berechtigung
habe, ebenfalls dieses Jubiläum zu begehen. Über das 1. große Schützenfest
des Mittelalters in Herzberg im Jahre 1524 gibt es einen ausführlichen
Bericht, da sich immerhin 393 (!) Schützen aus den Kurfürstentümern Sachsen
und Brandenburg zum Wettkampf stellten. Mit diesen Schützen reisten Begleiter
und Familienangehörige nach Herzberg, so dass der Rat der Stadt ernste
Versorgungsprobleme hatte. Er bat daher den sächsischen Kurfürsten um „ein
Wildbret für das Volk“. Diese Bitte blieb leider unbeantwortet und so wandte
sich der Rat an den kurfürstlichen Jägermeister Albrecht v. Lindenau, ob er
die Anweisung hätte dem Herzberger Rat ein Stück Wildbret zu überlassen. Da 1
Woche vor dem Fest noch keine Antwort vom Kurfürsten und vom Jägermeister
vorlag, jagte man selbst das benötigte Wild. Im eigenen Gehölz gingen 2
Wildschweinsauen in die Netze, die man unter Jubel sofort nach Herzberg brachte.
Gleichzeitig aber traf das kurfürstliche Gnadengeschenk ein, so war die
Versorgung doppelt gesichert. Einige Herzberger aber meldeten dem
Jägermeister v. Lindenau die Saujagd, der sofort den Kurfürsten verständigte,
der wiederum den Rat um sofortige Rückgabe der Sauen aufforderte. Die
Herzberger aber pochten auf das Jagdrecht in eigenen Gehölzen und antworteten
nicht. So verlangte der Kurfürst die Übersendung einer Abschrift der
Jagdrechte, die vom Rat mit einer Abschrift über allgemeine Rechte (nicht Jagdrechte!)
aus dem Jahre 1499 beantwortet wurden. Dies ließ der Kurfürst nicht gelten
und so wiesen die Herzberger Räte noch einmal auf die hohen Kosten des Festes
hin, um damit den Kurfürsten umzustimmen. Der Kurfürst aber blieb hart, der
Schriftverkehr setzte sich fort und inzwischen war das Jahr vergangen. Die
beiden Sauen, inzwischen in den Schützenmägen längst verdaut, konnten nicht
wieder zum Leben erweckt werden und so wuchs langsam Gras über die leidige
Geschichte. Fortsetzung
folgt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Von spanischen Eroberern bis zur Todesstrafe(3) Das große Schützenfest von 1524, bei
dem der Herzberger Rat mit Ausdauer und List die Rückgabe der beiden
Wildsauen an den Kurfürsten und seinen Jägermeister vereitelt hatte, machte
die Stadt Herzberg in ganz Kursachsen bekannt. Einige der 393 Schützen waren
schon beim Versuchsschießen ausgeschieden, denn der jeweilige Hauptschuss aus
der Handbüchse musste mindestens 6 Ringe ergeben. Die 3 besten Schützen des Wettbewerbs
kamen aus Schweinitz, Herzberg und Torgau. 27 Hauptgewinne, darunter wieder
eine Wildsau (!), erfreuten die erfolgreichsten Schützen. Beim Ritterschießen
gab es 10 Gewinne in Form von Guldengeld, auf dem der Kurfürst abgebildet
war. Heerfolge und Schützengesellschaften
schlossen sich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts allmählich zusammen und
bildeten ein wehrhaftes Bürgeraufgebot. 1474 umfasste die Heerfolge für den
Kurfürsten noch 50 Fußknechte, 6 Heerfahrtswagen, 3 Reisige zu Pferd und 1
Steinbüchse. Ende des 15. Jahrhunderts gehörte zur Heerfolge auch eine eigene
kleine Artillerie. Das Jahr 1547 erforderte die ganze
Verteidigungsbereitschaft der Herzberger Schützengesellschaften im Bürgeraufgebot.
Das übermächtige katholische Heer unter dem Kaiser Karl V, dem böhmischen
König Ferdinand und dem spanischen Heerführer Herzog Alba v. Toledo besiegte
das zahlenmäßig unterlegene schwache protestantische Heer des sächsischen
Kurfürsten in der Schlacht bei Mühlberg, Lönnewitz, Kiebitz und im
Schweinert. Herzog Alba belagerte nun die Wasserfestung Herzberg, die sich
weigerte ihre Tore zu öffnen. „Ich werde das Nest an allen 3 Ecken anzünden,
wenn die Bürger der Stadt nicht die Tore öffnen“, so soll sich der
sieggewohnte Spanier geäußert haben. Die Herzberger Bürger antworteten ihm:
„Wir sind Herzberger Bürger und bleiben dem Kurfürsten Johann Friedrich
getreu“. Alba musste ohne Erfolg in Richtung Wittenberg abziehen, wo man dem
in der Schlacht im Schweinert gefangen genommenen Kurfürsten den Prozess
machen wollte. Die Standhaftigkeit und Treue der Herzberger Bürger, unter
ihnen die Schützengesellschaften, belohnte der langjährige gefangen gehaltene
Kurfürst am 1. September 1552.“Für alle und ewige Zeiten“ verlieh er der
Stadt Herzberg den Ehrennamen „Churstadt“. Die beiden Schützengesellschaften
„Armbrust- und Büchsenschützen“ schlossen sich 1550 zusammen und existierten
noch bis 1628. Aus dieser Zeit sind uns die Namen der Vorsteher der
Armbrustschützengesellschaften bekannt. 1536 war es Hans von Puene, während
der letzte Vorsteher (1628) Valtin Rietz hieß und die Geschicke der Gilde
leitete. Wertvolle Utensilien der Armbrustschützengesellschaft bewahrte man
im eisernen Ratskasten auf, so ein silberner Vogel mit Kette, an der 29
Schildchen mit den Namen der damaligen Schützenkönige und den Jahreszahlen
hingen. Das älteste Schildchen trug die Jahreszahl 1536, das letzte
Schildchen die Jahreszahl 1628. Dieses wertvolle Utensil (Gewicht: 20 Loth)
musste der Rat der Stadt Herzberg verkaufen, um drückende Schulden zu
bezahlen. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Von spanischen Eroberern bis zur Todesstrafe(4) Das erste Schützenhaus wird in alten
Nachrichten des Jahres 1592 erwähnt. Für dieses „Schützenhäuslein“
bewilligte die kursächsische Regierung dem Herzberger Rat 20 Eichenstämme zu
einem günstigen Preis (nur halbe Bezahlung). Doch schon 1746 musste das 1.
Schützenhaus durch einen Neubau ersetzt werden. Das 3. Schützenhaus entstand
1785. Das notwendige Bauholz für diese beiden nachfolgenden Schützenhäuser
kam aus dem Staatsforst. Bei der Einweihung des 3. Schützenhauses am 23. Mai
1786 soll der Schützenmajor Sandmann eine besonders Aufsehen erregende
Einweihungsrede religiösen Inhalts gehalten haben. Christian Ehrenfried
Sandmann war Kämmerer (1768-1792), Senator (1796-1800) und außerdem noch
Ratskellerpächter. Er bewohnte das Haus des bekannten Schmiedemeisters
Gottfried Winkelmann in der „Torgauer Vorstadt Nr. 364“ (heute Nr. 55). Ende des 16. Jahrhunderts waren in
Herzberg alle männlichen Bürger bewaffnet. Für arme Bürger lieferte die
städtische Waffenkammer die Waffen. Starb ein Bürger ohne männliche Erben
ging seine Bewaffnung an die städtische Waffenkammer, die vom Büchsenmacher
Christian Gottlieb Dölling verwaltet wurde. Aus dem Jahre 1609 ist uns das Statut
der Büchsengesellschaft bekannt. Es umfasste 31 Paragraphen, die genau
festlegten, wie sich ein Schütze zu verhalten hatte. Er sollte über einen
religiösen Sinn verfügen, eine ehrbare Lebensart pflegen, beim Biertrinken
nicht fluchen und eine eigene Büchse besitzen. Fluchen beim Biertrinken
kostete dem Übeltäter 5 Groschen Strafe. Das Spotten, Hexen und Verwirren auf
dem Schießstand war billiger, es kostete nur 6 Pfennige. Fehlte ein Schütze beim
Ein- und Ausmarsch wurde das mit 3 Groschen in Rechnung gestellt. Das
Bierabzapfen im Keller während des Schießens ohne Erlaubnis des
Schützenmeisters schlug mit 3 Groschen Strafe zu Buche. Das Statut von 1609 galt zunächst bis
1699, dann wurde es erneuert und diente der Schützengesellschaft bis 1832. Die Verbindungen der mittelalterlichen
Stadt Herzberg zur Residenz des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II
(1613-1680) führten am 25. Juli 1662 zu einer Einladung der Herzberger Schützengesellen
und Schützenmeister der Armbrust- und Büchsenschützen nach Dresden, wo am 22.
Oktober 1662 ein Schießwettbewerb stattfand. Die Sieger erhielten 100, 80
oder 50 Reichstaler.
Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Ein Meisterschuss rettete die Elsterstadt (5) Schon einmal, 1547, hatten die Herzberger
Bürger und ihre Schützengesellschaft Mut und Treue bewiesen, als sie die
Einnahme und sicher auch die Plünderung der Stadt durch die katholischen
Truppen des Herzogs Alba v.Toledo mit Standhaftigkeit beantworteten und so
die sicheren Gräuel einer fremden Besatzung und de Krieges vermieden. Im
Dreißigjährigen Krieg aber, er hatte 1618 mit einem Aufstand der
protestantischen Böhmen, ausgelöst durch den Fenstersturz der kaiserlichen
katholischen Statthalter Slawata und Martnitz aus dem Prager Schloß,
begonnen, kam es 1631 zu einer erneuten direkten Bedrohung unserer
Heimatstadt. Nachdem die katholischen Feldherren Tilly und Pappenheim mit
ihren Truppen Magdeburg am 20. Mai 1631 erobert hatten, wandte sich Tilly dem
Kurfürstentum Sachsen zu, um zu verhindern, dass der Kurfürst Johann Georg
ein Bündnis mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf einging. Dem Schwedenkönig
gelang es, sein Heer mit den kursächsischen Truppen des Generals v. Arnim bei
Düben zu vereinen, doch inzwischen bedrohte der kaiserliche Feldherr
Wallenstein von Schlesien kommend, durch die Niederlausitz und Luckau
vorstoßend, auch unser Elb-Elster-Gebiet. Der Oberst Hans v. Götze sollte
durch einen Handstreich die Wasserfestung Herzberg einnehmen. Er hatte aber
die Rechnung ohne die verteidigungsbereiten Herzberger, an der Spitze die
Schützengesellschaft, gemacht. Herzberg war damals eine wehrhafte Stadt. Sie
besaß doppelte Wälle und doppelte Stadtgräben, eine feste Mauer, 3 Tore (2
davon mit Zugbrücken), 2 dicke hohe Tortürme, die gleichzeitig Bollwerke mit
unterirdischen Gefängnissen waren und einen Pulverturm. Nördlich vom
Schliebener Torturm (im Osten) stand in der Mauer ein weiterer Mauerturm, der
mit einem bedachten Gang Verbindung zum Torturm hatte. Die Brücke am
Schliebener Torturm bestand aus 2 Teilen, dazwischen befand sich ein Gebäude.
Die Stadtmauer im Süden besaß alle 30 Schritte drei viereckige Mauertürme,
die etwa 2-6 m den Mauerrand überragten. Die Berichte über den Angriff auf
Herzberg im Jahre 1631 sind oft widersprüchlich. Da wird der Oberst Hans v.
Götze zum „Königlich schwedischen Obristen“ und das Datum des Angriffs
wechselt mehrfach. Einmal spricht man vom Frühling des Jahres 1631, dann
wieder vom 4. September 1631 und schließlich vom „Montag nach dem
Michaelistag“. Der Michaelistag ist der 29.9., der Montag davor der 23.
September. Der erste Bericht über den Angriff ist 1679 im vergoldeten
Turmkopf der Herzberger Stadtkirche niedergelegt worden. Dieser Bericht und
die Darstellung der Ereignisse in der Schulze-Chronik (1842) weichen
voneinander ab.
Ergänzungen: Knuppe (1642) Herzberg hatte 1631 nur einen geringen militärischen
Truppenschutz. Eine Kompanie „Colditzer Defensioner“ aus dem kursächsischen
Heer und unter dem Befehl des adeligen Hauptmanns v. Miltitz hielt die
Mauern, Türme, Tore und Brücken besetzt. Verstärkt durch Kompanien der
Herzberger Schützengesellschaft und anderer wehrhafter Bürger der Stadt
trotzte man den krieggewohnten Truppen des Obersten v. Götze. Eine Kompanie
unter dem Befehl des Schützen-Leutnants Andreas Bolde (Boldeus) hatte einen
Wall nordöstlich der Schliebener Vorstadt auf der Steinwegswiese (zwischen
Elster und „Schliebener Straße“) besetzt, denn hier war der allergische Punkt
der Stadtverteidigung. Neben der hölzernen Elsterbrücke, die man vorsorglich
abgetragen hatte, lagen links und rechts seichte Flussstellen, die oft als
Furt für Reiter und Wagen genutzt wurden. Diese Stellen hatte der Oberst v.
Götze zum Angriff ausgewählt. Es begann mit einer Kanonade schwerer und
leichter Geschütze (Kardaunen und Feldschlangen), dann stürzte sich die
Reiterei, an der Spitze der prächtig gekleidete Oberst, in den seichten
Fluss, gefolgt vom Fußvolk.
Reiter und
Fußsoldaten um 1631. Quelle:
Geschichte für Mittelschulen, 1928, (Kahnmeyer u. Schulze). Repro.: Knuppe
(2002) Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Ein Meisterschuss rettete die Elsterstadt (6) Der Schützenleutnant Andreas Bolde und
seine Büchsenschützen hatten die drohende Gefahr erkannt. Bolde visierte kurz
mit seinem Pulverschieß-Rohr (aufgesetzt auf eine Stützgabel) den an der
Spitze der Reiterei befindlichen Obersten v. Götze an und löste den Schuss
aus, der ein sehr glücklicher Schuss war, denn er traf den Obersten v. Götze
so schwer, dass er aus dem Sattel sank und nur mühsam von seinen Begleitern
ans rettende Ufer gebracht werden konnte.
Repro.: H. Knuppe (2002) Schlieben stand in Flammen und es kehrte
erst Ruhe ein, als der kursächsische General v. Arnim in Eilmärschen mit
seinen Truppen nahte und die gesamte Elbe-Elster-Region um Herzberg von
marodierenden feindlichen Soldaten säuberte. Die Bürger unserer Stadt und der
Rat waren überglücklich, dass die Rettung Herzbergs gelungen war. Man
zeichnete den umsichtigen und besonnenen Hauptmann von Miltitz mit einem
silbernen stark vergoldeten Becher (24 Loth schwer und 24 Gulden wert) aus. Über Andreas Bolde, den
Meisterschützen, schweigen die Chronisten, erst später erfahren wir, dass es
zwischen ihm, dem Rat der Stadt und der Kirche Differenzen gegeben hatte. 3
Jahre später wollte Bolde in der Stadtkirche eine Fahne und eine
Gedächtnistafel für seinen in Schlesien gefallenen älteren Bruder Georg Bolde,
er war Hauptmann gewesen, anbringen lassen. Die verwitwete Kurfürstin Hedwig
v. Sachsen (1581-1641), eine sonst bemerkenswerte und fortschrittliche Frau,
lehnte die Bitte des Schützenleutnants Bolde ab, nachdem sie vom Herzberger
Rat und vom Superintendenten Georg Thaut negativ über Bolde unterrichtet
worden war. Rat und Kirche gönnten dem einfachen bürgerlichen Offizier die
Ehre der Würdigung nicht, außerdem hatte sich Bolde geweigert, dafür eine
stattliche Summe Geldes in die Kirchenkasse zu legen.
Quelle: Ostteil der
Stadt Herzberg um 1820 (Verfasser unbekannt, ergänzt durch H. Knuppe, 2001). Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Zwischen Fürstenhonneurs und Doppeljubiläen (7) Mitglied der Herzberger Schützengilde zu
sein bedeutete für jeden Bürger eine besondere Ehre. Alteingesessene
Familien, wie z.B. die Familie Kriebisch, legten Wert auf eine über mehrere
Generationen nachzuweisende Mitgliedschaft in der Schützengilde. So
berichtete der Bürger Johann Paul Kriebisch (geb. 1680) mit Stolz, dass schon
sein Vater in einer Urkunde der Schützengilde aus dem Jahre 1609 als Schütze
genannt wurde. War ein Böttcher Schützenmitglied, so
erhielt er alljährlich (von 1590-1928) für seinen Einsatz in der Gilde ein
Geschenk. Die Handwerkerinnungen wetteiferten damit, recht viele Handwerker
ihrer Innung Mitglieder der Schützengilden werden zu lassen. Bei Durchfahrten oder Übernachtungen
sächsischer, preußischer oder russischer Fürsten und ihrer
Familienangehörigen war es Brauch, die Schützengilde paradieren zu lassen und
Ehrenwachen aufzustellen. Als Kurfürst Friedrich August I v. Sachen
(1670-1733) im Jahre 1709 über Herzberg nach Torgau reiste, wurde er vom
gesamten Bürgeraufgebot, an ihrer Spitze die Viertelsmeister und Achtmannen,
mit klingendem Spiel und vollständiger Bewaffnung (Ober- und Untergewehr)
empfangen. Dabei fiel ihm die alte zerrissene Fahne auf. Der Kurfürst, August
der Starke genannt und 1697 zum König von Polen gekrönt, stiftete deshalb den
Herzbergern eine neue Bürgerfahne. Einige Zeit später übernahm die
Schützengilde die „Honneurs“ (die Gästebegrüßungen) für die Vertreter der
Fürstenfamilien.
Das bereits erwähnte Schützenhaus, es
trug die Hausnummer 424, lag am Wall der Nordpromenade. Es war um 1729 ein
Holz- und Fachwerkbau, der 1746 und 1785 neu aufgebaut wurde. Letzterer hielt
bis 1828. Die sächsischen Kurfürsten würdigten
die Dienste der Schützengilde bis zum 18. Jahrhundert, indem sie der Gilde
sogenannte Vorteilsgelder gewährten. Kurfürst Friedrich August II (1696-1763)
verhielt sich noch großzügiger. Er stiftete seit 1740 jährlich ein Freibier
(20 Fass!) vom Herzberger Gebräu, das bis 1900 vom „Königlichen Rentamt“ in
Dresden für die Herzberger Schützen bezahlt wurde. Das Leben in der Schützengilde bestand
um 1740 nicht nur aus repräsentativen und geselligen Ereignissen, es war auch
Bestandteil militärischer Übungen. Beim zweitätigen Abschießen (sogenanntes
Königsschießen) hatten die Schützen am Donnerstag und Freitag der Woche
Exerzier- und Felddienstübungen zu leisten. Daran schloss sich ein Ruhetag
(Sonnabend) und schließlich am Sonntag das Schießen an. Um 1744 gehörten 44 Bürger in Herzberg
zur Schützengilde. Wurden größere Schützenver-anstaltungen durchgeführt, so
organisierte man für die einzelnen Kompanien und die teilnehmenden
Schützengilden der Umgebung gemeinsame Quartiere und Standorte in den
Gasthäusern der Stadt. Die Sieger der Schießübungen, die Scheiben- und
Vogelkönige, mussten der gastgebenden Schützengilde Herzberg ein Andenken
stiften. Es waren meistens Münzstücke oder Silberschildchen, die mit dem
Namen des Gebers und der Jahreszahl versehen wurden. 1756 legte man auch ein
Verzeichnis der Schützenkönige an. Über die Gewehrreparaturen gab ein 1757/58
angelegtes Buch genaue Auskunft. In der Kommissionsstube des Herzberger
Rathauses lagerte noch bis 1850 ein gewisser Waffenvorrat. 1837 gab es hier
18 Flinten, 2 Trommeln, 2 kleine Feldstücke, 1 Fahne, 1 Feldbinde und 2
Ringkragen, die der Schützenhauptmann in Verwahrung hatte. Da früher auch das
Geld knapp war, beschloss die Schützengilde im Jahre 1815 Geschenke früherer
Kurfürsten und Könige zu verkaufen. Die 36 Speziestaler brachten eine
erkleckliche Summe ein. Dafür kaufte der Schützenvorstand eine Kette mit
goldenem Stern und gelbem Seitenband für die Auszeichnung der Schützenkönige. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Zwischen Fürstenhonneurs und Doppeljubiläen (8) Wie verzwickt die Geschichte mit dem Datum
der Gildengründung ist, wird sichtbar, wenn heute Chronisten das kleine
bewegliche in zwei Holzkisten aufbewahrte „Schützenarchiv“ studieren. Da
fällt einem sofort eine schöne Broschüre mit dem langen Titel „Das 300jährige
Jubiläum der Herzberger Schützengilde in Verbindung mit dem 50jährigen
Jubiläum eines Schützenmitgliedes am 17./18. und 19. Juli 1857“ auf. Nach
dieser Broschüre müsste die Schützengilde im Jahre 1557 gegründet worden
sein. Allerdings hatten die Herzberger dann 1907 schon die 500-Jahrfeier
begangen (!), so dass im Jahr 2007 endlich (!) die 600-Jahrfeier gefeiert
werden kann. Doch Spaß beiseite und genießen wir
einen Blick in die genannte Broschüre mit dem langen Namen, denn sie ist sehr
interessant und lesenswert!
Repro.: Schützenarchiv Herzberg Als das 3. Bataillon des 32. Landwehrregiments
nach einem sechs wöchigem Manöver nach Herzberg zurückkehrte, empfing die
Herzberger Schützengilde die „tapferen Krieger“ schon in Borken und
begleitete sie nach Hause. Hier erlebten die Soldaten eine Überraschung!
Jeder Soldat erhielt ½ Pfund Branntwein und 1 Semmel, die Offiziere und die
begleitenden Schützen sogar Wein und Kuchen. Alle Ausgaben (10 Taler)
bezahlte der Schützenkönig Landrat Sommer, ein kleiner Zuschuss kam aus der
Schützenkasse. Am Abend lud der Landrat alle Beteiligten zu einem großen Ball
im Schützenhaus ein. Das 300jährige Jubiläum der
Schützengilde im Jahre 1857 war auch gleichzeitig das 50jährige Jubiläum des
Schützenhauptmanns und Senators Schmiedemeister Johann Gottlob Winkelmann.
Herzberg präsentierte sich im Festgewand. Bei einem Wettbewerb um die beste
Ausschmückung siegte der Posamentierer (Besatzwarenhändler) Eisenhauer in der
„Schliebener Straße Nr. 78“. Nach dem Empfang der angereisten befreundeten
Schützengilden am 17. Juli begrüßte der Landrat v. Kleist in einer Rede auf
dem Marktplatz die Schützengilden aus Torgau, Finsterwalde, Kirchhain,
Jüterbog, Dahme und Wittenberg. Das Schießen am 16. Juli machte am 18. Juli
noch ein Stechschießen erforderlich. Die besten 3 Schützen kamen aus
Finsterwalde, Wittenberg und Jüterbog. Als das Festkomitee für das
Doppeljubiläum unter Leitung des Schützenmajors E.R. Hoyer Bilanz zog, hatte
man 757 Taler und 7 Silbergroschen ausgegeben. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Zwischen Fürstenhonneurs und Doppeljubiläen (9) 1832 gab sich die Herzberger
Schützengilde eine neue Ordnung und 1892 neue Statuten. Zur Gilde gehörten
1877 146 Mitglieder, 1886 waren es
158 Bürger und 1901 gehörten 133 Mitglieder zur Schützengesellschaft, die zunächst
in 2 Kompanien (Grenadier- und Jägerkompanie) organisiert waren. Eine 3.
Kompanie, die Leibkompanie, bestand mehrmals. Sie löste sich dann endgültig
im Jahre 1883 auf. Das Schützenhaus erhielt 1876 einen
Anbau. Nach einem Brand kam es zum Neubau, den der Baumeister A. Michaelis
ausführte. Der für das alljährliche Schützenfest benötigte Schützenplatz
(zwischen Mühlgraben und Mauergasse) entstand aus ehemaligen
Privatgartenflächen. Durch Zukäufe konnte der Platz 1856 und 1886 erweitert
werden. Auch in der 1. Hälfte des 19.
Jahrhunderts stellte sich die Schützengilde für öffentliche Präsentationen
zur Verfügung. So am 7. Juli 1812 als der spätere Superintendent W.G. Weise
aus Annaburg durch die Annaburger Heide anreiste und schon in Mahdel vom
Stadtrat und der Schützengilde begrüßt und nach Herzberg geleitet wurde. Die
Jubelfeier der „Augsburger Konfession“ am 25. Juli 1830 sah
Quelle: Theodor
Hosemann, zeitgenössische Lithographie 1848 Auch in Herzberg steigerte sich der Unmut.
In Volksversammlungen forderten die Bürger demokratische Rechte. Der
unbeliebte Bürgermeister Biltz wurde aufgefordert den Schlüssel seiner
Amtsstube abzugeben, um das Wegschaffen belastender Akten unmöglich zu
machen. Als er sich weigerte, besetzten Mitglieder der Schützengilde seine
Wohnung. Um die demokratische Macht der Bürger zu sichern, sollte eine
Bürgerwehr gebildet werden, der sich das Schützenkorps anschließen wollte.
Nach einiger Zeit aber verlief die hoffnungsvoll begonnene bürgerliche Revolution
im Sande, in Berlin wurde sie blutig niedergeschlagen, obwohl hier
Abteilungen der Berliner Schützengilde gemeinsam mit den Bürgern auf den
Barrikaden und in den Straßen gekämpft hatten. In Herzberg fügte man sich
nach einer gewissen Zeit wieder der preußischen Obrigkeit. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Schützengilde im 19. Jahrhundert
(10) Das kleine Schützenarchiv in den beiden
Holzkisten gibt an manchen Stellen auch Auskunft über Ziele und Werte des
Schützenwesens. Es wird sichtbar, dass über die Jahrhunderte hinweg diese
Ziele und Werte Schwankungen und Veränderungen unterworfen waren. Während im
Mittelalter (bis etwa 1517) die ständige Bereitschaft zur Verteidigung ihrer
Heimatstadt im Mittelpunkt des Schützenlebens stand, lösten die
Befreiungskriege vom napoleonischen Joch (1812-1815) neue nationale und
liberale Impulse aus, die auch um 1848 (bürgerliche Revolution) einen
zeitweisen Höhepunkt fanden. Nach 1850 und in den letzten Jahrzehnten des 19.
Jahrhunderts wandte sich die Schützengilde wieder verstärkt dem Schießsport
und der Traditionspflege zu. In dieser Zeit, so ist die allgemeine
Einschätzung, war die Schützengesellschaft der aktivste Verein der
Bürgergesellschaft. Der Wechsel unserer Elbe-Elster-Heimat von der
sächsischen zur preußischen Hoheit (1815) brachte der Herzberger
Schützengilde zunächst einen Besitzstau. Die Kooperationsrechte der
sächsischen Zeit wurden von der preußischen Regierung nicht anerkannt. Das
alte Schützenstatut galt als unmodern, die Gilde konnte in der Übergangszeit
keine neuen Grundstücke erwerben und Rechtshandlungen waren ebenfalls nicht
möglich. Erst die Vorlage alter Urkunden über Provinzialrechte überzeugte die
preußischen Regierungsstellen. Das wurde auch äußerlich sichtbar! Der
Schützengilde wurde ein neuer Adler am schwarz-weißen Bande (preußische
Farben!) verliehen, die der Schützenmajor von nun an öffentlich am Halse zu
tragen hatte. Die sächsische Zeit hatte ihr Ende gefunden! Am 13. August 1826, abends um 18 Uhr,
ereignete sich ein bedauernswerter Unfall. Der erst 26-jährige
Tischlermeister Adolf Bärwald, der als Schützenmitglied in der Schützenbude
am Anger mit anderen Schützen beim Schießen war, wurde durch einen
unvorsichtigen Schuss getötet. Die gleiche Kugel riss einem neunjährigen Knaben,
der in der Nähe stand, die Mütze vom Kopf. Dabei fiel der Junge zu Boden.
Adolf Bärwald hinterließ eine junge Frau und ein Kind, ein Schicksal, dass
von allen Stadtbewohnern sehr bedauert wurde. Der schreckliche Unfall löste
eine umfassende Sicherheitsüberprüfung der Schießanlage aus. Die
Schützengilde ließ durch den Oberforstmeister Münchhausen ein Gutachten über
die „Schießhaussicherheit“ anfertigen. Im gleichen Jahr 1828 endeten die
Eigentumsrechte der Gilde am Schützenhaus. Der Schießhauspächter und Musikus
Johann Gottfried Große erwarb das Haus, da er ein Vorkaufsrecht besaß. Neben
dem Kaufpreis verpflichtete er sich, jährlich bestimmte Zahlungen an die
Kämmereikasse und die Staatskasse zu leisten. In dieser Zeit war das Vogelschießen
sehr beliebt. Rückte der Termin heran, musste die Gilde einen Antrag an den
Rat stellen, um die Genehmigung zur Errichtung einer Vogelstange zu erhalten.
Der Holzadler besaß die Maße 20,5x31,5 cm und ein Mindestgewicht von 2 Loth
(etwa 2/30 Pfund). Für die Spanteile des Holzadlers, die sich beim Schießen
und Treffen lösten, erhielt der Schütze folgende Punkte: Große Adlerkrone 4
Punkte, kleine Krone 3, Reichsapfel 3, Stern 2, Klaue 3, Hals 3, Flügel 3,
Fahne 3, Schwanz 3 und für den Corpus (Körper) 6 Punkte. Schon am 23.3.1831 verstarb der 1.
private Besitzer des Schützenhauses Herr Johann Gottfried Große. Seine Erben
waren seine Ehefrau, 1 Sohn und 2 Töchter. Bei der Erbauseinandersetzung
wurde das gesamte Grundstück in allen Einzelheiten beschrieben. Damals
umfasste es 1 altes Wohnhaus, 1 neues Gebäude mit Tanzsaal, 1 Kegelhäuschen
mit Kegelbahn, 1 altes Stallgebäude, 1 Schießhaus mit Schießplatz,
Kellerräume, 1 Wallgarten an der Stadtseite und 1 Wallgraben an der
Mühlgrabenseite. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Schützengilde im 19. Jahrhundert (11) In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
verfasste der Rektor der Herzberger Schule, Herr Dr. Friedrich Albrecht
Schirrmeister am 27.9.1864 eine Schrift über das Leben und den Zustand
unserer Stadt, die in der Turmkugel der Stadtkirche St. Marien hinterlegt
wurde und die das Pfarramt nach der letzten Kugelabnahme (1989) in
dankenswerter Weise als kleine heimatkundliche Broschüre drucken ließ.
Repro.:
Knuppe (2007) Im städtischen Großbusch (nördlich der
Stadt und der heutigen B 101) hatte man 1864 Schießstände für die Gilde
gebaut. Hier in der freien Natur kam es seit 1873 zu einem alljährlichen Freihandschießen,
dass sich zu einem wahren Volksfest entwickelte und sogar noch nach dem 2.
Weltkrieg zeitweilig Auferstehung (allerdings ohne das Freihandschíeßen)
feierte. Damals nach 1873 zog die Bevölkerung am Johannistag (24. Juni) noch
zu Fuß oder mit festlich geschmückten und mit Pferden bespannten Wagen und
frohem Gesang und Musik in den Großbusch, wo der Schützenhauswirt an Ständen
und Buden mit seinen Helfern für die notwendige Bewirtung sorgte. Die
Familien brachten ihre Kinder und Verwandten mit und die Lehrer führten ihre
Schulklassen zum Großbuschfest, wo auf dem Festplatz Tänze, Spiele und
Polonaisen die Teilnehmer erfreuten. Der beste Schütze des Freihandschießens
erhielt den Titel „Buschkönig“. Im preußisch-österreichischen Krieg
1866 war Herzberg und seine Umgebung Aufmarschgebiet der preußischen Armeen,
die von hier aus über Sachsen nach Böhmen marschierten und dort in blutige
Kämpfe verwickelt wurden. Schon am 1. Juli trafen die ersten Verwundeten in
Herzberg ein. Die Stadt erhielt ein „Schweres Feldlazarett“, das schon am 9.
Juli 1866 insgesamt 2800 Verwundete und Kranke in Schulen, im Zeughaus, im
Seminargebäude (heute Bäckerei Klaus), im Gasthaus „Siegeskranz“, in
Privatquartieren und auch im Schützenhaus zu versorgen hatte. 1862 sprach die „Deutsche Schützen- und
Wehrzeitung“, das Organ des Deutschen Schützenbundes für Schützen-, Turn- und
Wehrangelegenheiten, unverblümt aus, was in dieser Zeit als Ziel der
Schützengesellschaften galt. Man forderte: „Die Erhöhung der Wehrkraft des deutschen
Volkes ist der oberste Zweck des Schützenbundes“. Damals ahnte man noch
nicht, dass der anfängliche Weg der Schützengesellschaften vom gewiss
löblichen Ziel der eigenen Stadtverteidigung einmal durch grausame
Angriffskriege (1. und 2. Weltkrieg) beeinflusst werden würde. Unsere brave
Herzberger Schützengilde aber richtete sich weniger nach den markigen Worten
dieser Schützenzeitung. Sie lebte und liebte Festlichkeiten und Traditionen,
wobei die Termine oft eine untergeordnete aber verzwickte Rolle spielten. So kam es 1857 zum 300. Jubiläumstag
(?) und 3 Jahre später auch noch zum 700. Geburtstag (?) unserer Stadt. Dann
gab es aber 1934 den 750. Geburtstag Herzbergs und 1907 den 500. Jubiläumstag
der Schützengilde! Es ging damals viel durcheinander und so sind wir heute
dankbar, dass sich dieses Durcheinander inzwischen gelöst hat und wir 2007
den 600. Geburtstag der Schützengilde beruhigt begehen können! Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Schützengilde im 19. Jahrhundert (12) Das Doppeljubiläum von 1857
(16.-19.Juli) sah an der Spitze der Festlichkeiten Schützenmajor Hoyer und
das 50. Schützenjubiläum des Senators Winkelmann. Nach dem Festempfang beim
Bürgermeister im Rathaus (16. Juli) führte ein anschließender „Generalmarsch“,
an der Spitze 3 Musikkapellen, 16 Fahnenträger und die berittenen Anführer
des Zuges, alle Schützengilden durch die Stadt und zur Wohnung des Arztes und
Rentners Dr. Rosenthal (ehemaliger Schützenmajor), dem man ein kräftiges
„Hurra“ schenkte und danach zur Wohnung des amtierenden Schützenkönigs
Eisenhauer, den man ebenfalls würdigte. Der 50. Schützenjubilar Johann Gottlieb
Winkelmann war seit 1807 Schütze der Jägerkompanie gewesen. Von 1811-1830
übte er in der Stadt die Funktion eines Viertelsmeisters aus, war von
1831-1833 Stadtverordneter und von 1836-1845 Senator, nebenbei gehörte er als
Kantorei-Adjudant dem Kirchenchor an. Am „Deutschen Schützenfest 1861“ in
Gotha, das nach dem Schweizer Vorbild abgehalten wurde, beteiligte sich auch
eine Herzberger Schützenabordnung. In der Schweiz gab es (bis heute!) schon
im 14. Jahrhundert die Pflicht der Selbstbewaffnung eines jeden Bürgers. 1880 erhielt die Herzberger
Grenadierkompanie eine neue Fahne. Die alte Fahne von 1794 war altersschwach.
Die neue Fahne mit doppeltem Seidentuch (eine Seite rosa, eine Seite weiß)
trug die goldene Aufschrift „Wilhelm und August“, den Preußenadler und das
Sachsen-Weimar-Wappen (mit Myrtenkranz und Inschrift „Den 11. Juli 1879“),
die 2. Seite enthielt die goldene Inschrift „Schützengilde zu Herzberg“ (mit
Verzierungen). Das Jahr 1887 brachte der Schützengilde
(damals 157 Mitglieder) neue Grundstücksflächen (1 Wallgarten, Größe 8a 40m² und 1 Wiese, Größe 99a 30m²), die zum Teil früher der Kirche
gehörten. Bis 1617 besaß die Gilde auch Ackerflächen. Die ab 28.1.1892 wirksam werdende neue
Schützenordnung (Vorgänger waren die Ordnungen von 1609, 1669 und 1832)
enthielten in ihren 33 Paragraphen Hinweise zur Aufrechterhaltung der Ordnung
bei Feuersbrünsten, Angaben über das Vermögen der Schützengilde, über die
Rangordnung der Schützen (Unteroffizier, Feldwebel, Oberjäger, Fähnrich,
Wachtmeister, Leutnant, Hauptmann, Major), über Inventarwerte,
Eintrittsgelder, Beiträge, Strafgelder und eine Schießordnung (19
Paragraphen). Der damalige Schützenplatz umfasste eine Fläche von 20a, 44m²,
die Schützenwiese hatte eine Größe von 99a und 30m². Der Wert des
Schützeninventars betrug 2330 Mark. Die Ordnung trug die Unterschrift C.G.
Langhammer, des Schützenmeisters F. Schierz und des Beisitzers W. Kuhnert. In einem Verzeichnis der Schützengilde
vom 8.9.1892 sind auch die Namen der Schützenmajore angegeben. Es waren dies:
Nach 1800 der Advokat und Stadtschreiber Moritz Liebe, 1827 der Arzt Dr.
Rosenthal, 1838 Tuchmacher Gottlob Wilke, 1848 Rechtsanwalt Echtermeyer, 1842
Kaufmann Emil Rudolph Hoyer, 1886 Rosshändler Gottfried Schrey, 1867
Kassenrendant Paul Gerhardt, 1884 Kaufmann Moritz Knie, 1890 Kaufmann C.G.
Langhammer und 1899 Fabrikant Paul Krüger. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Schützengilde im 19. Jahrhundert (13) Der bekannte Stadtsekretär G. Thierack,
der u. a. auch Karten unserer Stadt zeichnete, beschrieb im Jahre 1897 im
„Schweinitzer Kreisblatt“ die Herzberger Schützengilde, die damals einen
aktiven Kern des städtischen Vereinslebens bildete. 2 Jahre später wurde die nahe
Hauptstadt Berlin auch zum Anlaufpunkt der Herzberger Schützengilde. Das „10.
Deutsche Bundesschießen“ lockte tausende Schützen aus Deutschland und dem
Ausland und viele Besucher an die Spree, wo schon Mitte des 14. Jahrhunderts
die damals getrennten Orte Berlin und Cölln je eine Schützenbruderschaft
besaßen. Wer damals in den beiden Orten einen Hausstand gründen wollte,
musste einen Harnisch, einen Eisenhut, ein Schwert und einen Spieß besitzen.
Die beiden Schützenbruderschaften in Berlin und Cölln haben bei den Kämpfen
im 14. und 15. Jahrhundert bewiesen, was sie im Spiel gelernt hatten. Ihre
Hauptwaffe war zeitweise die Armbrust neben den bereits genannten Waffen. Die
Raubritter der Mark Brandenburg, die damals das Land plünderten,
brandschatzten und knechteten, hassten die Schützenbrüder, die tapfer den
Kampf gegen die Raubritter Brüder Quitzow und Erich Falke v. d. Leßnitz mit
Erfolg führten. Die berühmten Bürgermeister Berlins und
Cöllns dieser Zeit waren allesamt Schützengildemeister. Sie standen an der
Spitze des Kampfes gegen die Raubritter. Nach ihnen sind sogar später einige
Stadtteile Berlins und Cöllns benannt worden, z. B. Tempelhof, Blankenfelde,
Freyberg u. a. 6000 Schützen aus allen deutschen Landen,
ausgewanderte „deutsche Amerikaner“ und eine Abordnung Herzberger Schützen
mussten bei diesem Bundesschießen versorgt werden. 2 Oberkellner, 10
Sektionskellner, 522 Kellner, 10 Kassenbeamte, 1 Oberkoch, 42 Köche, 6 „kalte
Mamsells“, 4 Schlächter, 8 Kochfrauen, 100 Abwaschfrauen, 20 Kassierer, 4
Buchhalter und 15 Küfer kümmerten sich in einem großen Festzelt um die
Versorgung der Schützen. An Material standen 6500 Servietten,
6000 Shirtings (Hemdentücher), 3000 Kaffeetassen, 56000 Teller, 6000 Suppenteller,
18000 Servierplatten, 8000 Kompottschüsseln, 4000 Saucieren, 3000
Kaffeelöffel, 360 Suppenterrinen, 4000 Rotweingläser, 4000 Weißweingläser,
3600 Champagnergläser und 2000 Wassergläser in der großen Festhalle bereit. 4
riesige Herde, 2 Bratofen mit je 6 kolossalen Bratröhren und 2 große
Kesselstände mit je 8 Kesseln (für je 120 Liter Suppe) vervollständigten das
notwendige sonstige Inventar. Alle Herde führten ihren Rauch unterirdisch ab.
Blick auf den
Vergnügungspark beim 10. Bundesschießen 1899 in Berlin. Repro.: Schützenarchiv Herzberg
Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte große Schützenjubiläum vor 100 Jahren(14)
Repro.: Schützenarchiv Herzberg Der Leutnant der Jägerkompanie,
Steinsetzmeister Voigt, füllte mit seiner Firma den angekauften tiefliegenden
Garten am Mühlgraben zum Selbstkostenpreis auf das Niveau des bisherigen
Schützenplatzes an. Die Erde holte man von der städtischen Bullenwiese. Auf
dem Gelände nördlich des Mühlgrabens stellte die Familie Ehestädt ihr
Pachtgrundstück zur Verfügung, um dort zusätzlich Verkaufsstände
unterzubringen. Der Mühlgraben erhielt zum Übergang eine Holzbrücke mit
Geländer. Das große Ereignis, 500 Jahre
Herzberger Schützengilde, nahm am 6. August 1907 abends um 18.30 Uhr mit
einer Generalversammlung und einem Zapfenstreich seinen Anfang. Am nächsten
Tag, früh um 6 Uhr, erscholl in der Stadt der Weckruf und die Schützengilde sammelte
sich auf dem Marktplatz, um von dort zum Schützenhaus zu marschieren. Man
nahm an der großen Festtafel im Saal das Mittagessen ein, anschließend begann
das Schießen für den Jubelkönig, der um 18.45 Uhr nach Böllerschüssen
proklamiert wurde. Es war der Restaurateur Schmidt (Jägerkompanie).
Kranzkönig wurde der Tischler Friedrich Sickert (Grenadierkompanie). Danach
kam es im großen Weinzelt auf dem Schützenplatz zur Begrüßung der fremden
Schützen und vieler ehemaliger Herzberger aus allen Teilen Deutschlands. Nach
dieser fröhlichen Runde marschierten alle Teilnehmer durch die festlich
illuminierte Stadt. Um 22.15 Uhr eröffnete Bürgermeister Koehne im
Schützenhaussaal einen Unterhaltungsabend, den Ehrenjungfrau Frl. Hoyer mit
einem Prolog, gedichtet vom Kaufmann Otto Horeck, Mitglied der Herzberger
Landsmannschaft in Berlin, einleitete. Der Schützensängerchor umrahmte den
Abend, in dessen Mittelpunkt die Rede des Chronisten Archidiakonus Dr. Karl
Pallas stand. Ein Theaterstück (Einakter) mit dem Titel „Der Meisterschuss“
schloss den 2. Tag des Jubiläums ab.
Blick
auf den Marktplatz während des Hauptfestes zum 500. Jubiläum der Repro.: Schützenarchiv Herzberg Der folgende Donnerstag war der
Haupttag der Jubiläumswoche. Nach Weckruf und Einholung der auswärtigen
Schützengilden gab Schützenmajor Krüger die Tagesparole bekannt. Um 11 Uhr
begann das Hauptfest auf dem Marktplatz. Die Haupttribüne stand neben dem Germaniadenkmal.
Alle Gildenabordnungen präsentierten sich in prächtigen Uniformen mit ihren
Fahnen, wobei die Torgauer Geharnischten besonders bewundert wurden.
Ausritt der Torgauer Geharnischten in der
Torgauer Altstadt
Quelle: Heimatbuch „Zwischen Harz und Lausitz“, S. 117 Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte große Schützenjubiläum vor 100 Jahren (15) Die Ansprache des Bürgermeisters Koehne
nannte auch u.a. die damaligen Schützenziele, so die Liebe zur Heimat und dem
Vaterland, Kameradschaft, Pflege des Bürgersinns und Ehrhaftigkeit. Nach der
Rede sprach die Ehrenjungfrau Frl. Martha Görner ein Festgedicht und der
damalige Landrat Freiherr v. Palombini übergab die neue Fahne der
Jägerkompanie, die vom Superintendenten Siebert geweiht wurde. 34 befreundete
Schützengilden hatten dazu Fahnennägel gestiftet.
Blick
auf das festlich geschmückte Herzberger Rathaus. Repro.: Schützenarchiv Herzberg
Blick auf die Parade
der Schützengilden. Links: G =
Grenadierbataillon Rechts: M.K. = Major Krüger (mit
Militärpferd, gehalten Repro.: Schützenarchiv Herzberg Nach 14 Uhr begann der große Festumzug durch
die mit Girlanden, Fahnen, Blumen, Fichten, Tannen und Ehrenpforten
geschmückte Stadt. Letztere stifteten die Gebrüder Schlieben (Möbelfabrik).
An der Spitze des Zuges ritt ein Herold. Es folgten Fanfarenbläser (allesamt
Soldaten des Feldartillerie-regiments Nr. 34), das auch schmucke Pferde für
den Herzberger Schützenmajor Krüger und seinen Adjutanten zur Verfügung
stellte. Die Hauptmusik des Zuges, neben anderen Kapellen, stellte die
Herzberger Musikschule.
Repro.: Schützenarchiv Herzberg Beide Herzberger Bahnhöfe
(Reichsbahnhof und NLE-Bahnhof) hatten in den Tagen des 500.
Schützenjubiläums Hochbetrieb. Insgesamt betreuten die Angestellten und
Beamten der Bahnhöfe 2800 Personen, die zum Jubiläum an- und abreisten. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Zwischen Ehrensalut und Schützenmarsch (16) Zur zeit
des 500. Schützengildenjubiläums 1907 gehörten 154 Mitglieder zur Herzberger
Gilde. Zur Jägerkompanie und zur deutschen Kompanie zählten je 32 Bürger, der
Grenadierkompanie gehörten 26 und der Veteranenkompanie 64 Mitglieder an. 9
Schützenwitwen bildeten eine besondere Gruppe innerhalb der Gilde. Am
07.06.1909 übergab Forstmeister Stubenrauch von der Oberförsterei Annaburg
der Herzberger Schützengilde erneut ein umfangreiches Gutachten mit
Lagezeichnung zur Schießanlage, die sich vom Schützenhaus ostwärts zwischen
Stadtwall und Mühlgraben bis kurz vor der Einmündung Mönch-straße erstreckte.
Sie war notwendig geworden, da wiederholt bei Schießübungen
Querschläger-schüsse die Bewohner der angrenzenden Häuser erschreckt hatten.
Erinnerung an das Königsschießen
Schützenfest 1909. Vorstandsmitglieder: von links: A. Franke,
Oberleutnant (Grenadierkompanie) F. Miethe (Schützenmeister) C. Pötzsch, Leutnant (Jägerkompanie) R. Voigt, Oberleutnant (Jägerkompanie) D. Frigge, Hauptmann (Deutsche Kompanie) P. Krüger, Major (Deutsche Kompanie) P. Kaiser, Leutnant (Deutsche Kompanie) A. Tobia, Leutnant,
Schützenkönig (Deutsche Kompanie) R. Voigt, Leutnant (Jägerkompanie) R. Schmidt, Adjutant W. Herzberger,
Rittmeister (Jägerkompanie) Foto: Schützenarchiv Herzberg Nach dem 1. Weltkrieg war das Geld
knapp und so wundert es nicht, dass in dieser Zeit die Schützengilde die
große Schießwiese im Gänsebusch für 100 Goldmark (Laufzeit 6 Jahre) an Herrn
Karl Lösche verpachtete. Er bekam die Anweisung, die Schützenwiese regelmäßig
zu düngen und durfte dafür das Randholz der Wiese als Brennholz schlagen.
Schon 1931 erteilte der Herzberger Magistrat der Schützengilde die Erlaubnis,
in nächster Zeit ein „Andreas-Bolde-Denkmal“ zu errichten, ein Vorhaben, das bei der damaligen
wirtschaftlichen Notlage erst 3 Jahre später verwirklicht werden. Konnte. Am
24.11.1931 trat eine neue Schützenordnung mit veränderten Statuten und einer
neuen Schießordnung in Kraft. Zu jener Zeit war es üblich, bei Wahlen hoher
Politiker Ehrensalut zu schießen. Während der Weimarer Republik (1919-1933)
feuerten die 3 kleinen Kanonen der Gilde zweimal bei der Wahl des ehemaligen
Generalfeldmarschalls Paul v. Hindenburg zum Reichspräsi-denten (1925-1932)
einen Ehrensalut von 21 Schuss, ebenso bei der Erneuerung des Politikers
Franz v. Papen zum Reichskanzler, der sich nur kurz des Titels erfreuen
konnte, denn er musste am 30.01.1933 dem Nazi Hitler Platz machen, der leider
auch einen Salut bekommen musste. Über das „Tausenjährige Reich“ der
Nazis schweigt sich das Schützenarchiv aus. Nur wenige Kurzberichte sind
darüber vorhanden. An dieser Stelle aber sei an die Geschichte des Herzberger
Musikers Willi Breul (Jahrgang 1891) erinnert, denn sie vermittelt uns ein
lebendiges Bild vom Herzberger Schützenleben zwischen 1898 und 1945. Voller
Stolz, so erzählt Willi Breul in seinen
Erinnerungen, marschierte er beim Schützenfest 1898 mit seiner
Soldatenmütze auf dem Kopf, die ihm sein älterer Bruder geschenkt hatte, zum
Schützenplatz, um sich dort von einem Schnell-fotografen „knipsen“ zu lassen.
Beim Kaufmann Franz in der „Grünstraße“ (heute „Ludwig-Jahn-Straße“) ließ er
das Foto für 50 Pfennig unter Glas einrahmen. Jedes Mal, wenn er im späteren
Leben dieses Foto betrachtete, dachte er mit Wehmut an seine Heimatstadt
Herzberg und an das fröhliche Schützenfest. Da Willi Breul schon als Kind
sehr musikalisch war, (sein Vater war auch Musiker gewesen), lief er bei
allen Umzügen der Schützengilde an der Spitze der Kapellen mit und pfiff noch
lange nach dem Schützenfest alle gehörten Melodien und Märsche nach. Die
Stadtmusikschule trug damals ebenfalls grüne Jägeruniform, dazu einen
Zylinder auf dem Kopf und schon bei den ersten Beckenschlägen rutschte ihm
der Zylinder, so beobachtete der Kleine Willi, auf die Nase, so dass er kaum
etwas sehen konnte.
Schützenparade (Deutsche Kompanie) im Jahre
1927 auf dem Marktplatz. Foto: Schützenarchiv Herzberg Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Zwischen Ehrensalut und Schützenmarsch (17) Schnell sprang Willi in die
Kapellenreihe und trug den Zylinder des Beckenschlägers bis zum Ende des Umzuges.
Vorher hatte er eine Zeitung besorgt, sie mehrfach gefaltet, in den großen
Zylinder eingelegt und beim 5. Marsch war die Sache wieder in Ordnung. Obwohl
der große Zylinder dem Beckenschläger auf beide Ohren saß, konnte er jetzt
wenigstens etwas sehen, die Augen waren frei! Seine Liebe zur Musik führten
den jungen Willi Breul zur Lehrlingskapelle der Musikschule in
Wilsdruff/Sachsen. Musikdirektor Ewald Philipp war von dem Herzberger Willi
Breul sehr angetan, denn der junge Mann begann schon frühzeitig zu
komponieren. Da Willi ein begeisterter Anhänger der Herzberger Schützengilde
war, komponierte er extra einen Schützenmarsch mit Gesang unter dem Titel
„Fest auf`s Ziel“, den er am 6.9.1935 der Herzberger Schützengilde schenkte.
Vorher hatte Obermusikmeister Thiele vom Torgauer Reiterregiment Nr. 10 den
Marsch getestet und ihn für gut befunden. Ein Verleger bot dafür sofort 75
RM. Nach seiner Lehrzeit in Wilsdruff arbeitete Willi Breul als Solohornist
bei der Dresdener Philharmonie und freute sich über sein erstes „fürstliches
Gehalt“ von 450 Mark, wie er zu sagen pflegte.
Foto: Schützenarchiv
Herzberg
Grundsteinlegung des neuen Schießstandes am 23.3.1931 (Rechts vom
Schützenhaus). Zugelassen für Großkaliber (100 m lang, 4 Stände) Foto: Schützenarchiv Herzberg
Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Chronik der Jäger-Kompanie Herzberg (Elster) (18) Zum Schützenarchiv Herzberg gehört auch
eine „Chronik der Jäger-Kompanie Herzberg (Elster)“. Die 45cm x 32 cm große
Chronik mit Goldschrift auf einem schwarzbraunen Ledereinband enthält nur
wenige Eintragungen, die in deutscher Sütterlin-Schrift auf gezogenen Linien
gemacht wurden. 2 Artikel vom 8.10.1932 stammen vom Mitglied der
Jäger-Kompanie Franz Miethe, den 3. Artikel verfasste am 31.10.1942 Frau
Barbara Doerr, die Ehefrau des 1934 zum Schützenmajor gewählten Carl Doerr. Der folgende Text (mit allen „Ausdrucks-, Orthografie- und
Grammatikfehlern) wurde im Wortlaut mit geringen Änderungen aus der Chronik
übernommen.
Repo: U. Doerr Fotoaufnahme:
vor 1933
Nach Übertritt des Hauptmanns Kühne zu
den Veteranen, wurde 1895 Paul Krüger Hauptmann der Kompanie. Offiziere waren
die Herren Fuchs, Möbius und Neumann. 1899 wurde Paul Krüger Major der Gilde
und Herr Schügner Hauptmann. In einer Kompanie-Versammlung machte ich den
Vorschlag unseren Hauptmann Rittmeister zu nennen, was allseitig Zustimmung
fand. Seitdem haben die Führer der Jägerkompanie den Titel Rittmeister
geführt. Nach dem Ableben des Herrn Rittmeisters Schügner, rückte
Oberleutnant Schulze an seine Stelle und Leutnant Möbius wurde Adjutant. Zum
Leutnant wurde Herr Steinsetzmeister Voigt gewählt. Im Jahre 1907 feierte die
Gilde ihr 500jähriges Jubiläum und die Weihe einer neuen Fahne für die
Jägerkompanie. Der enge Vorstand bestand aus lauter Jägern und zwar Major
Krüger, Adjutant Möbius, Schützenmeister Herzberg und Beisitzer Franz Miethe.
Schützenmeister und Beisitzer waren zur Zeit Bataillonsoffiziere. 1908 wurde
Schützenmeister Kurt Herzberg Bataillons-Offizier und Franz Miethe wurde
Schützenmeister. Nach Rittmeister Schulze übernahm dieses Amt Kurt Herzberg
welcher leider 1911 als Rittmeister starb. An seine Stelle trat Rittmeister
Voigt. Robert Voigt war Leutnant und Schützenmeister, Franz Miethe wurde
Offizier, behielt aber seinen Posten bei und Rittmeister Voigt wurde
Beisitzer. Laut Beschluss vom 29. Juni 1911 sollten die Ämter des
Schützenmeisters und Beisitzers von Kompanie-Offizieren bekleidet werden.
1913 war die Kompanie so stark geworden, dass ein 4. Offizier gewählt werden
musste und so fiel die Wahl auf Bruno Neumann. 1912 war Leutnant Miethe
Schützenkönig und man stiftete ihm einen Kranz. Die jungen Schützenschwestern
schenkten ihm eine neue Schärpe mit silbernem Schild auf welchem ihre Namen
verzeichnet standen. König Miethe stiftete daraufhin einen Schmuck für die
Königin, den er seiner Frau beim Königsball umhängte. 1913 sammelte Frau
Königin Tobias bei allen Schützenfrauen Geld und dafür wurden die Orden für
Kranzkönig, Adlerkönig und Buschkönig beschafft. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Chronik der Jäger-Kompanie Herzberg (Elster) (19) „1913 legte nach langer Dienstzeit Herr
Major Krüger sein Amt nieder und Herr Adjutant Schmidt, welcher im Jahr 1908
an Stelle des ausgeschiedenen Adjutanten Möbius Adjutant geworden war, wurde Major.
Repro: U. Doerr „Nach dem Kriege nahm die Gilde großen
Aufschwung, so dass die Jägerkompanie einen 4. Leutnant wählte und zwar den
Kameraden Karl Doerr im Jahre 1920.. Im Jahre 1923 gingen Herr Oberleutnant
Voigt und Herr Leutnant Neumann zur Veteranenkompanie über. Leutnant Doerr wurde
Oberleutnant und die Jäger Heinrich Wilkniß und Wilhelm Fleck Leutnant. Es
war die Zeit der stärksten Inflation und als nun von Berlin noch einige
Revoluzzer* erschienen, kam es am Königsschieß-Sonntag, als die Gilde
am Mittag zur Parade antrat, zu einem großen Auflauf und Radau. Die Vorstände
suchten durch gutes Zureden die Aufgeregten zu beruhigen, jedoch vergeblich,
der Tumult wurde immer ärger und als die Menge versuchte der Musik die
Instrumente zu entreißen, trat Oberleutnant Doerr vor die Front und rief:
„Die Jägerkompanie hört auf mein Kommando, rechts um marsch!“ So marschierte
dann die Jägerkompanie geschlossen, an der Spitze Oberleutnant Doerr, an der
vor ihr stehenden Deutschen Kompanie vorüber, hinein in den Knäuel Menschen
und machte energisch Platz. Der letzte Kampf spielte sich im Hause des Dr.
Taegener ab, welcher denn auch das Verbinden besorgte, aber nicht feststellen
konnte, ob die Verletzung mittels gefährlicher Werkzeuge (Säbel) entstanden
sei. Wie immer hatten sich auch hier die Hauptschuldigen der verdienten
Züchtigung durch die Flucht entzogen. Beim Umzug wurde die Musik von Jägern
begleitet, auch marschierten Jäger am Ende des Zuges. Da angenommen wurde,
dass die Beteiligten an Herrn Oberleutnant Doerr Rache nehmen würden, fand eine
Versammlung der Kompanie beim Kameraden Neumann statt, in welcher
Alarmbereitschaft beschlossen wurde. Jeder Offizier bekam eine Anzahl Jäger
zugeteilt, die Treffpunkte wurden festgelegt. Alarm sollte durch Anschlagen
der Glocke erfolgen, aber es geschah nichts. In einer großen Leipziger
Zeitung erschien ein Artikel, in dem gesagt wurde, dass Herzberg die einzige
Stadt im Deutschen Reiches sei, in welcher 1923 die Schützen mit Waffen
ausgezogen seien.“ * Alter Ausdruck „Hetzer“ durch „Revoluzzer“ ersetzt! Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Chronik der Jäger-Kompanie Herzberg (Elster) (20) 1926 ging Herr Oberst
Schmidt, den Titel hatte er bei seiner Silbernen Hochzeit erhalten, von der
Aktivität ab und wurde Ehrenmitglied. Zu seinem Nachfolger wurde der
Hauptmann der Deutschen Kompanie Arthur Otto gewählt. Herr Rittmeister Voigt,
welcher der rangälteste Offizier war, fühlte sich dadurch übergangen und trat
zu den Veteranen über. Zum Rittmeister wurde Oberleutnant und Schützenmeister
Miethe gewählt. Leutnant Wilkniß wurde Oberleutnant und Hausner Leutnant, so
dass das Offizierskorps der Kompanie sich wie folgt zusammensetzte:
Rittmeister und Schützenmeister Franz Miethe, Oberleutnant Karl Doerr, Oberleutnant
und Beisitzer Heinrich Wilkniß, Leutnant Wilhelm Fleck und Leutnant Karl
Hausner. 1928 hatte die Kompanie
eine besondere Feier. Ein alter verdienter Jäger, Herrmann Breul, welcher in
Berlin lebte, war eingeladen um im Kreise lieber Kameraden den Tag festlich
zu begehen, an welchem er vor 50 Jahren die Würde als Schützenkönig errungen
hatte. Oberjäger Max Eule stellte eine Equipage (Kutsche) und fuhr sie,
während Rittmeister Miethe und Ordonnanz Walter Fleck den Gast auf dem
Bahnhof in Empfang nahm, ihn begrüßte und mit einem Kranz schmückte. Der
Einzug in die alte Heimatstadt war sehr feierlich. Voran die Musik, dann der
Wagen mit dem Gast, Rittmeister und Ordonnanz auf dem Bock, eskortiert von
den Jägern Eichelbaum, Ockert, Pötzchik und Ley zu Pferde.
Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Chronik der Jäger-Kompanie Herzberg (Elster) (21) „In der Zeit wo ich der Gilde angehörte,
von 1906 bis 1930, hat die Gilde folgendes geschafft: 1907 die Jägerfahne, die Königskette,
Geschenk des Herrn Rothe, Neffen des Deutschen Schützen Schortmann, welcher
1907 sein 50jähriges Jubiläum als aktiver Schütze feierte.
Foto: Graßmann 1932 „Ein besonderes Ereignis sei hier noch
erwähnt. Als der Jäger Wilhelm Fleck im Jahre 1920 König war, lud er die
ganze Kompanie bei der Hochzeit seines Sohnes abends mit ihren Damen zum Tanz
ein. Im Lauf des Abends bat man den König auf einen aufgebauten Thron Platz
zu nehmen. Darauf marschierte ein Zug Jäger in Parade auf und nahm mit
präsentiertem Säbel rechts und links vom Thron Aufstellung. Hierauf erschien
der „Minister“ Alfred Fränkel mit einer großen Urkunde und die Pagen Wilkniß
und Eduard Kaiser mit den „Reichskleinodien“. Nachdem man die Urkunde
verlesen hatte wurde der König mit Mantel, Krone, Zepter und Reichsapfel
geschmückt und ein feierlicher Umzug im Saale gehalten. Der König stiftete
für die Hauptbeteiligten und die Offiziere einen Orden. Als mein Mann, Carl Doerr, dieses Buch
übernahm, war er noch im Vollbesitz seiner Kräfte. Er liebte die
Schützengilde mit ihrer alten Tradition und arbeitete auch in diesem Sinne in
der Gilde weiter. Als unser ältester Sohn am 19.11.1933 beim Segelfliegen
tödlich abstürzte, war auch ein Teil seiner Lebenskraft gebrochen. Nachdem er
1934 zum Major gewählt wurde, hat er unentwegt in der Gilde und für die Gilde
weiter gearbeitet und im zähen Ringen noch manches erreicht. Auch frohe
Stunden und gute Kameraden hat er in der Gilde gefunden. Er hätte in diesem
Buch vielerlei zu sagen gehabt, wenn er nicht allzu früh von uns weggenommen
würde. Daher fühle ich mich berechtigt, diese Zeilen in das Buch der Jägerkompanie
einzutragen.“ Herzberg/Elster, den 31. Oktober 1942 Frau Barbara Doerr Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte Friedensschützenfest 1939 (22) Wir verdanken es einem glücklichen Zufall,
dass ein ausführlicher Bericht in der damaligen „Mitteldeutschen
Schützenzeitung“ vom 25.8.1939, wenige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges
ausführlich und sehr sachlich über das letzte Schützenfest im Frieden
berichtete. Das Fest begann am 9. August mit dem
„Zapfenstreich“den die wachhabende Grenadierkompanie, an der Spitze der
Schützenmajor Wilkniß, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durch die
Straßen unserer Stadt führte, um den Vorjahreskönig in der „Schliebener
Straße“ abzuholen. Dort angekommen, wurden den Grenadierschützen in einer
Marschpause kulinarische Genüsse angeboten, die zur Hebung der Stimmung
deutlich beitrugen. Die Stadt war mit Girlanden und Fahnen geschmückt, als
die Wachkompanie mit dem Vorjahreskönig den Rückmarsch antrat, um im
Schützenhaus pünktlich zur „Generalversammlung“ zu erscheinen, wo sie schon
von den Schützenveteranen, Ehrengästen, Abordnungen anderer Gilden und ihren
Schützenkameraden von der Jägerkompanie und der Deutschen Kompanie erwartet
wurden. Zur Begrüßung spielte die Annaburger Musikkapelle unter dem
Musikmeister Rohr den bereits erwähnten „Herzberger Schützenmarsch“, den
Ehrenmitglied Willi Breul aus Dresden komponiert hatte. Es war inzwischen
festgelegt worden, dass dieser Marsch in Zukunft immer zu Beginn und zum
Abschluss des Schützenfestes gespielt werden sollte. Schützenmajor Wilkniß begrüßte gegen 22
Uhr die „Generalversammlung“ und dankte dabei dem Vorjahreskönig für die
„segensreiche Regierungszeit“. Anschließend gedachte man der vorstorbenen Schützenmitglieder,
nahm neue Mitglieder auf, ernannte bewährte Schützen zu Offizieren und
verabschiedete ältere Schützenkameraden in die Veteranenkompanie.
Anschließend kam es zur Festlegung der Organisation für das Preisschießen am
13.8. vormittags und für die Schützenparade am gleichen Tage ab 12 Uhr
mittags. Am 10. August begann das eigentliche
Schützenfest mit dem Weckruf um 6 Uhr früh. Die Kompanien nahmen dann ihr
Frühstück in den Stammlokalen ein. Die Veteranenkompanie genoss ihr Frühstück
im Ratskeller gemeinsam mit dem Bürgermeister. Um 12 Uhr versammelten sich
alle 4 Kompanien auf dem Marktplatz und marschierten dann zum Vorjahreskönig
um ihn zum letzten Mal abzuholen. Bei einer Marschpause am
Andreas-Bolde-Denkmal legten die Schützen dort einen Eichenkranz nieder.
Foto: Schönn
(1937) Beim Rückmarsch kam es auf dem
Marktplatz zur Schützenparade und zur Ansprache des Bürgermeisters. Danach
bewegte sich der gesamte Festzug zum Schützenplatz, wo um 14.30 Uhr das
eigentliche Schützenfest seinen Anfang nahm. Die politische Situation war in
diesen Tagen in Deutschland und Europa auf das Äußerste angespannt. Es lag
etwas in der Luft, was bei manchen Einwohnern und Schützenkameraden bei aller
Fröhlichkeit, die jedes Jahr das Schützenfest auslöste, ein ungutes Gefühl
aufkommen ließ. Wehrmachtstruppen bewegten sich seit Wochen auf den Straßen,
Zeitungs- und Radiomeldungen überschlugen sich und die ersten Einberufungen
von Söhnen und Vätern unserer Stadt zum Wehrdienst ließen sorgenvolle
Ahnungen aufkommen. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte Friedensschützenfest 1939 (23) Schützenkompanien, Ehrengäste und Abordnungen
nahmen am 10. August 1939 gegen 15 Uhr im Schützenhaussaal das Festbankett
ein. So gestärkt begann das Schießen auf der Schießbahn. Gegen 17.30 Uhr
stand die Königsscheibe im Mittelpunkt des Schießens, die danach 32 Treffer
aufwies. Den Königsschuss gab schließlich
Bäckermeister Richard Herzberg ab. Der zweitbeste Schütze war sein
Berufskollege, der Bäckermeister Alois Woiwode („Anhalter Straße“), der den
Titel „Kranzkönig“ erhielt. Gegen 19.15 Uhr von der Bevölkerung mit Spannung
erwartet, ertönten die Schüsse der kleinen Signalkanonen und die Namen der
beiden Könige wurden der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Der neue Schützenkönig Richard Herzberg
nahm im Weinzelt die Glückwünsche seiner Schützenkameraden, der Ehrengäste
und vieler Bürger der Stadt entgegen, wobei er erstmals seinen neuen Namen
„Richard von Herzberg“ vernahm. Richard Herzberg bedankte sich, denn er
verstand Spaß. Es war ihm immerhin gelungen, durch einen guten Schuss vom
einfachen Herzberger aus dem Bürgerstand in den „Adelsstand“ zu wechseln!
Foto:
Schützenarchiv Herzberg (etwa 1937) Der neue Adlige „Richard von
Herzberg“ wurde schließlich von seinen Schützenkameraden und vielen
Einwohnern nach Hause gebracht, wo vor seinem Haus in der „Torgauer Straße“
ein großes Feuerwerk den Schützenkönig begrüßte. Die Deutsche Kompanie
geleitete den Kranzkönig Alois Woiwode bis zu seiner Bäckerei in der
„Anhalter Straße“.
Foto:
Schützenarchiv Herzberg (etwa 1938) Schützenkönig Richard Herzberg besuchte
nach und nach alle Kompanien in ihren Lokalen und begab sich dann zu einem
„Kommers“ (früher bekannt als Trinkgelage!) in die Gaststätte „Heiterer
Blick“, an dem dann wieder die Ehrengäste, die verschiedenen Abordnungen und
die Schützenkompanien teilnahmen. Nach dem gemeinsamen Essen marschierten
alle Teilnehmer zum Schützenplatz (das geplante Preisschießen war inzwischen
abgesagt worden), wo sich die Schützenmitglieder und ihre Gäste an dem bunten
Treiben vor den Schieß,- Spiel- und Glücksbuden beteiligten. Für die Kinder
gab es einen weiteren Höhepunkt, denn nun fand auch der traditionelle
Kindertanz statt, fürsorglich oft unter den Augen der Eltern. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte Friedensschützenfest 1939 (24) Am Abend klang das Schützenfest mit
einer kleinen Feier auf dem Marktplatz aus, während die nimmermüden
Schützenmitglieder bei einem 2. Festball im Schützenhaussaal bis 2.30 Uhr
morgens das Tanzbein schwangen, um schließlich in der letzten Station, dem
nahen Weinzelt, die Morgensonne mit einem Glas Rheinwein zu begrüßen.
Repro.: Schützenarchiv Herzberg Meine Hand in der
Hosentasche umkrampfte die 50 Pfennige, damit sie ja nicht verlorengingen bei
dem Gedränge der Menschen, das sich von Bude zu Bude, von Stand zu Stand,
vorbei an Kettenkarussels, an Schiffsschaukeln, an der Autoscooterbahn, am
Boxring und anderen Vergnügungseinrichtungen schob. Schon das Zusehen und
Zuhören der Anpreiser und Marktschreier war ein Genuss! 5 Pfennige z.B.
kostete der Flohzirkus, bei dem die possierlichen Tierchen wie gelernt einen
winzigen Wagen zogen, auf hohen Stangen kletterten und um die Wette einen
dünnen Faden zogen. Oder der muskulöse Athlet, der braungebrannt auf dem
Schützenplatz seinen nackten Oberkörper in Ketten legen ließ, vor den Augen
der Zuschauer eingegraben wurde, so dass nur der Kopf über der Erdoberfläche
ragte und sich innerhalb von 5 Minuten wieder von den Ketten befreite und
schließlich unter dem Beifall der Umstehenden aufstand und durch einen Affen
mit einer Mütze Spenden für seine Schaustellung einsammeln ließ. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte Friedensschützenfest 1939 (25) An den Schießbuden konnte ich manche
Stunde stehen, um die verschiedenen Meisterschützen zu bewundern oder auch zu
belächeln, wenn sie trafen oder auch nicht trafen. Der Vater schoss
Kunstblumen für die Kinder, der Freund erhoffte sich durch eine hohe
Trefferzahl auf den Scheiben den kostenlosen Erwerb einer Flasche Wein oder
bunte Kunstblumen für seine Begleiterin, während wieder andere Schützen beim
Schießen noch unerfahren waren, nicht trafen und für manche Heiterkeit bei
den Zuschauern sorgten.
Repros:
Schützenarchiv Herzberg Nach einer Weile konnte
ich am duftenden Stand mit dem türkischen Honig nicht mehr vorbeigehen. Ich
opferte 5 Pfennig von meinen 50 Pfennigen für eine dünne Scheibe des
köstlichen Honigs, der mir, von Wespen und Bienen umschwirrt, auf einem
weißen Stück Karton präsentiert wurde. Danach stellte sich unweigerlich der
Durst ein, dem ich nochmals 5 Pfennige opferte, um mich bei einer kleinen
Tüte Erdbeereis etwas zu erfrischen. Kraftvoll versuchten sich viele
bärenstarke Männer mit dem Hammer beim „Haut den Lukas-Schlagen“. Nicht allen
gelang es, den Bolzen himmelwärts bis zum Ende der Führungsstange und damit
zum Knall zu treiben, aber der Spaß und der Vergleich der Kräfte, oftmals
auch eine Wette unter den Besuchern des Schützenfestes, ließ den Betreiber
des „Lukasturmes“ nicht zur Ruhe kommen. Es war ein
ungeschriebenes Gesetz, dass ein richtiger Herzberger Junge am Bockwurststand
von „Ottos Würstchen“ nicht vorbei kam. Die Bockwurst war dick und kurz,
sollte zu 50% aus Pferd und zu 50% aus Schwein bestehen, schmeckte köstlich
und ....kostete nur 10 Pfennige, während die Wiener Würstchen immerhin 25
Pfennige aus den Taschen zogen. Also blieb ich und andere Jungen bei den
dicken kurzen Otto-Würstchen! Einige Jungen aus der
Knaben- und Jugend-Fußballmannschaft des VfB Herzberg, der ich auch
angehörte, zogen mich weg vom Bockwurststand zu einem großen Zelt, wo ein
riesiger Ausschreier vor einem großen Plakat den staunenden Zuschauern das
bevorstehende Programm der „Dame ohne Unterleib“ erklärte, das 25 Pfennige
kostete und in einer Viertelstunde beginnen sollte. „Kommt für uns nicht
infrage, zu teuer“, meinte einer meiner Fußballfreunde und zog mich und
seinen Begleiter am Hemd hinter das große Zelt. Hier, hart am Ufer des
Mühlgrabens, handelten meine 2 Begleiter schnell. Ein kleines Loch in der
Zeltleinewand war mit dem Taschenmesser schnell ausgestochen, um einen Blick
auf die sagenhafte „Dame ohne Unterleib“ zu werfen. Immerhin verlangte die
Schauleitung dafür 50 Pfennige, für uns unerschwinglich! Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das letzte Friedensschützenfest 1939 (26) Ich starrte durch den Schlitz und war enttäuscht.
Im Zeltinnern war es noch dunkel und auf der kleinen Bühne keine „Dame ohne
Unterleib“ zu sehen. Wir einigten uns schließlich, jeder durfte 3 Minuten
durch das Loch starren, dabei bedacht, nicht vom steilen Ufer des Mühlgrabens
abzurutschen und ein kühles Bad zu nehmen. Schließlich wurde unsere Ungeduld
belohnt. Langsam füllte sich das Zeltinnere, auf der kleinen Bühne tanzten
ein paar Clowns herum, so dass wir immer stärker unsere Nasen auf die
Zeltleinwand pressten, um ja nicht den Auftritt der Unterleibsdame zu
versäumen. Plötzlich traf ein derber Schlag das
Guckloch und damit die Nase meines Freundes, der kurz aufschrie und
zurückwich. „Schnell weg“ konnte er uns noch zurufen, was wir blitzschnell
befolgten, um im Gewühl der Menschenmassen unterzutauchen. Am späten Nachmittag versuchte ich mein
Glück in einem sich drehenden Tonnenhohlraum. Anfangs setzte sich die Tonne
harmlos in Bewegung, steigerte dann aber die Umdrehungen und schon purzelten
wir alle durcheinander. Wir versuchten den Ausgang der Tonne zu erreichen,
was erst mit vielen Versuchen gelang. Als endlich die rollende Tonne zur Ruhe
kam, setzte ich meine Füße wieder auf dem festen Schützenplatzboden, klopfte
meine Hosen sauber und erkannte zur eigenen Freude vor der Schaubude meine Tante
aus Jeßnigk, die mich freundlich begrüßte und mir mit verständnisvollem
Lächeln etwas in die Hand drückte. „Das kannst du doch gebrauchen“ meinte
sie. Und ob! Ich schaute schnell auf das Geldstück. Es waren nochmal 50
Pfennige! Glücklich sauste ich nach einem „Dankeschön“ ab und genoss noch
einmal die Freuden des Schützenfestes, damals das einzig größte und
wichtigste Fest unserer Stadt!
Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Vom „Volksschützenfest“ zur Wendezeit (27) Das letzte große Schützenfest vor
Ausbruch des 2. Weltkrieges im August 1939 vereinte noch einmal die
Schützengilde mit der Bevölkerung aus Nah und Fern zu einem besonderen
Höhepunkt. Danach riss der Krieg von Jahr zu Jahr immer tiefere Wunden in
fast jede Familie. Die Schützenfeste der Kriegsjahre waren nur noch Schatten
ihrer Vorgänger. Die Nazis nannten sie „Volksschützenfeste“. Beim „Volksschützenfest 1941“ konnte
auch ein kleines Programm die Sorgen und Nöte der Bevölkerung nicht
überdecken. Immer mehr Schützenmitglieder jüngeren und mittleren Alters
wurden zum Kriegsdienst einberufen, die Anzeigen im „Schweinitzer Kreisblatt“
über gefallene und vermisste Söhne und Väter unserer Stadt mehrten sich und
nur noch die ältesten Schützenmitglieder, die schon den 1. Weltkrieg erlebt
hatten, bemühten sich, die kleinen „Volksschützenfeste“ zu gestalten. 1941 war der Ingenieur Otto Dietrich
Schützenkönig geworden. Damals, in der Nazizeit, gehörte die Herzberger
Schützengilde zum Gau Mitte des „Deutschen Schützenverbandes“, der in seiner
Zeitung die Schützengilden ständig aufforderte, sogenannte „Wehrmannschießen“
durchzuführen, für das Winterhilfswerk (WHW) zu sammeln und zu spenden und ja
nicht bei allen Zusammenkünften und Veranstaltungen die „Führerehrungen“ zu
vergessen. Je länger der Krieg dauerte, umso dürftiger wurden die
Schützenfestprogramme. Die beliebten traditionellen „Beutelwäschen“ fanden
nicht mehr statt und beim „Volksschützenfest 1944“ beschränkte sich das
Programm auf eine schlichte Feierstunde im „Weinzelt“, wobei der gefallenen
und vermissten Schützenkameraden und Bürger der Stadt gedacht wurde. Die
Preisgelder eines kleinen Schießens (330 Reichsmark) spendete man dem Roten
Kreuz. Es gab letztmalig auch einen Schützenkönig, es war der Kaufmann Karl
Lang (Deutsche Kompanie). Im Frühjahr 1945 neigte sich der
schreckliche Krieg seinem Ende zu und viele besorgte Fragen beschäftigten jede
Herzberger Familie, die Schützenmitglieder und ihre Angehörigen. Wie würden
sich die Sieger verhalten? So manche prächtige Schützenuniform,
Traditionsfahnen und historische Waffen wurden versteckt. Selbst die
Signalkanonen traten den Weg in den „Untergrund“ an. Sie sollen in einen
Brunnen in der Nähe des Schützenhauses geworfen worden sein.
Foto: Schützenarchiv Herzberg (Aufnahme: Etwa 1920) Der Familie Walter Kuring (ehemals
„Schliebener Straße Nr. 81) und später der Familie Weber ist es zu verdanken,
dass von Kriegsende bis zur Wende 1989/90 das wertvolle Schützenarchiv
(aufbewahrt in 2 Holzkoffern) über 44 Jahre erhalten blieb und heute einen
großen Wert als Quelle für Studien und Chroniken besitzt. Am 27.9.1991
übergaben Tochter Gerda Weber, geb. Kuring und Schwiegersohn Otto Weber die
beiden Holzkoffer der neu gegründeten Schützengilde. Die Siegermacht
Sowjetunion und die neuen politischen Kräfte in der sowjetischen
Besatzungszone (1945-1949) und in der späteren DDR (ab 1949) verfolgten
zunächst einen strengen antimilitärischen Kurs. Die bekannte Losung „Den
Deutschen nie wieder eine Waffe in die Hand“ hatte zur Folge, dass auch die
jahrhunderte alte Tradition der Schützengilden als negativer Beitrag zur
nazistischen Militarisierung der deutschen Gesellschaft im „Tausendjährigen
Reich“ gewertet wurde. Einige Jahre später, am 7.8.1952, hatte man sich
längst vom antimilitärischen Kurs in der DDR verabschiedet. Neben der
erneuten Aufrüstung gab es auch eine „Gesellschaft für Sport und Technik“,
die Jugendlichen und Erwachsenen sportliche, technische und vormilitärische
Kenntnisse vermitteln sollte, mit dem Ziel zur „Stärkung und Festigung der Arbeiter-und
Bauern-Macht und ihrer Verteidigungsbereitschaft“ beizutragen. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Vom „Volksschützenfest“ zur Wendezeit (28) Mit dem Verbot der Schützengilden konnten
sich einige Herzberger Schützen nicht abfinden. Sie fanden sich „im Geheimen“
zusammen, pflegten individuelle Freundschaften, tauschten Gedanken und
Erinnerungen aus und feierten gemeinsam Geburtstage und Jubiläen, wie Goldene
Hochzeiten und Handwerkerjubiläen. Sie ließen es sich nicht nehmen, bei
Beerdigungen den ehemaligen Schützenkameraden die letzte Ehre zu erweisen.
Dreh- und Angelpunkt dieser „geheimen Schützengilde“ soll der
Fleischermeister Max Voigt senior („Südpromenade“) gewesen sein. Die Spuren der Schützengilde wurden
nach und von den neuen Machthabern der DDR beseitigt. So erhielt das
„Schützenhaus“ den neuen Namen „Volkshaus“ und Jahre später die Bezeichnung
„Kreiskulturhaus“.
Foto:
Schützenarchiv Herzberg Die beiden letzten Besitzer des
„Schützenhauses“ waren ab 1901 der Gastwirt Karl Ermel und nach 1940 der
Kinobesitzer und Gastwirt Adolf Schimm. Letzterer ließ nach Kriegsende den Saal
des Gasthauses renovieren und neue Toilettenanlagen und Treppenaufgänge
bauen. 1954 übergab seine Erbengemeinschaft das Haus dem Rat der Stadt
Herzberg, der das ehemalige „Schützenhaus“ nach 1957 als „Volkshaus“ einem
Großumbau unterzog. So entstand ein dreigeschossiger Anbau mit neuer Bühne
und Orchesterraum, eine Garderobe,
links vor der ehemaligen Arkadenfront ein Restaurant mit Dachgarten, rechts
vom Hauptsaal ein weiterer kleiner Saal und am oberen Saal ein überhängender
Rang. 1962 waren die wichtigsten Arbeiten abgeschlossen, so dass das Theater
Senftenberg eine 1. Veranstaltung am 29. Mai 1962 anbieten konnte. Die
Bevölkerung hatte das Baugeschehen „Kreiskulturhaus“ mit insgesamt 7500
Aufbaustunden unterstützt. Nach der Wende versuchte ein „Asiatisches
Restaurant“ die Gastronomie des ehemaligen „Kreiskulturhauses“ neu zu
beleben. Es gelang nicht. Das traditionelle Haus verfiel in einen
Dornröschenschlaf. Die Bausubstanz litt spürbar darunter, so dass sich immer
mehr Substanzmängel einstellten.
Die letzten Reste des ehemaligen
„Schützenhauses“ danach („Volkshaus“und „Kreiskulturhaus“). Foto: Archiv Knuppe (2005) Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Wiedergeburt der Schützengilde (29) Die Wiedergeburt der Herzberger
Schützengilde ist ein Produkt der ungemein bewegten Wendezeit der Jahre
1989/90. Es wäre müßig, den Verdienst der Neugründung der Schützengilde einer
bestimmten Person zuzuschreiben. Es waren interessierte Bürger und
Institutionen unserer Stadt, unterstützt von einer ersten Freundschaft mit
der hessischen Stadt Büdingen und deren „Schützengesellschaft 1353 e.V.“, die
an die älteste Vereinstradition unserer Stadt anknüpften und nach 44 Jahren
ihren Beitrag zur Neugründung leisteten. Nach einer 1. Zusammenkunft und
Besprechung am 21.5.1990 in der Gaststätte H.-J. Günther im Herzberger
Reichsbahnhof kam es am 27.6.1990 im „Stadtcafe“ im Beisein einer
fünfköpfigen Gastdelegation der Schützengilde Büdingen zur Neugründung der
Herzberger Schützengilde. Kurze Zeit später, am 15.8.1990, erfolgte die
Eintragung der neu gegründeten Gilde in das Vereinsregister des
Kreisgerichtes Herzberg. Die junge Herzberger Gilde legte in
ihrer ersten neuen Satzung fest: „Die Schützengilde ist politisch neutral,
sie dient gemeinnützigen Zwecken, führt ein geselliges Vereinsleben und
widmet sich dem Schießsport!“ Diese erste Satzung erfuhr später, 1993
und 1995, erneute Veränderungen und Ergänzungen. Die jetzt geltende Satzung
(36 Paragraphen) wurde ab 8.1.2000 wirksam. Die anwesenden 15 Gründungsmitglieder
wählten damals einen ersten Vorstand. Ihm gehörten an: Als
Oberschützenmeister Herr Rudolf Voigt, junior (Fleischermeister), als
Schützenmeister Herr Manfred Fellenberg (Ofenbaumeister) und Herr Siegfried
Stefani (Gaststättenleiter), sowie als Schriftführer Herr Bernd Dahms. Die
Gründungsteilnehmer fassten u.a. den Beschluss, eine entsprechende Tafel an
der Vorderfront des „Stadtcafes“ anzubringen, die an den Gründungsort und den
Tag erinnert. Die Gründungsversammlung der
„Herzberger Schützengilde 1407 e.V.“ am 27.6.1990 in der Gaststätte
„Stadtcafe“.
Repro.:
„Lausitzer Rundschau“, Ausgabe Herzberger Seite.
Foto: Archiv Knuppe (1992) Der Leiter der Büdinger Gastdelegation
Schützenobermeister Heinrich Salate sicherte der neugegründeten Herzberger Schützengilde
die volle Unterstützung der Büdinger Gilde zu.
Foto: Schützenarchiv Herzberg Eine weitere Fahne, die Fahne der
Grenadierkompanie (aus den Jahren 1879/80) war so zerschlissen, dass sie nur noch
konserviert werden konnte. Aller Anfang ist schwer! So konnte zwar die neu
gegründete Herzberger Schützengilde schon am 29.9.1991 ihr 1. Schützenfest
nach der Wende auf dem ehemaligen Schießplatzgelände der GST (Gesellschaft
für Sport und Technik der ehemaligen DDR) an der „Badstraße“ feiern, aber es
war ein bescheidenes Fest. Erst nach und nach festigte sich die neue Gilde
und erhielt Zulauf weiterer interessierter Bürger, die so die zunächst kleine
Gilde verstärkten. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die Wiedergeburt der Schützengilde (30) 1992 bemühte sich die
Schützengesellschaft um die Rückübertragung der nach Kriegsende 1945
enteigneten Schützengilde-Liegenschaften, die damals „Volkseigentum“ geworden
waren. Es waren dies Flächen im „Gänsebusch“ (98 a 72 m²), ehemalige Gärten
am „Mühlgraben“ und die Schützenwiese und der Schützenplatz an der
„Nordpromenade“ (5 a 56 m²). Es kam dabei zu oft langwierigen
Verhandlungen mit der Kreis- und Stadtverwaltung und mit dem neuen Nachbarn
an der Schießsportanlage in der „Badstraße“, den Behindertenwerkstätten, der
seinen zunächst kleinen Standort zum Elsterdamm hin erweitern wollte. Die ehemalige GST-Schießanlage mit
seinem kleinen Containerhaus blieb bis 1998 erste Heimat der neu gegründeten
Schützengilde. Sie war 1993 noch einmal einer notwendigen
Sicherheitsüberprüfung durch den Dipl.-Ingenieur F. Luther (aus
Doberlug-Kirchhain) unterzogen worden, da sie auch in unmittelbarer Nähe an
Kleingärten und einem viel benutzten Verbindungsweg zum Elsterwehr und dem
Elsterdammweg grenzte. Trotz aller Widrigkeiten gelang es der jungen Gilde
immer besser ein reges Vereinsleben zu entwickeln und viele freundschaftliche
Beziehungen zu anderen Orten und Schützengesellschaften zu knüpfen. Die Gilde
gestaltete ihre eigenen Schützenfeste der Jahre 1992,1193,1994,1995,1996,1997
und 1998 jeweils am 3. Wochenende im Monat September und konnte dabei immer
wieder befreundete Schützenabordnungen aus anderen Gemeinden des
Elbe-Elster-Gebietes begrüßen. Die Herzberger Schützengilde revanchierte sich
wiederholt und beteiligte sich mit Abordnungen an den Schützenfesten in Bad
Liebenwerda, Uebigau, Kirchhain, Senftenberg, Kölsa, Torgau, Knippelsdorf,
Falkenberg, Schöna-Kolpien, Rückersdorf, Belgern und Schönewalde. 2002
entstand auch eine 1. Verbindung zum Nachbarland Polen durch einen Besuch der
Schützengilde in Kalisch. Die Verbindung zur befreundeten
Schützengesellschaft im hessischen Büdingen blieb bis in die Gegenwart
bestehen. Ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der beiden Städte
Herzberg und Büdingen war das sogenannte „Verschwisterungsfest“ am 7. und
8.10.1995, an dem auch eine Herzberger Schützenabordnung unter der Leitung
der Schützenkameraden Rudolf Voigt, senior und Rudolf Voigt, junior,
teilnahm. Das vorläufige erste Schützendomizil,
die ehemalige GST-Schießanlage an der „Badstraße“ erregte eines Tages die
Aufmerksamkeit dunkler Gestalten aus der Gruppe der Langfinger. Am 7.7.1996
brach man den Container auf und durchsuchte ihn. Der Schaden hielt sich in
Grenzen. Nach den Anfangsschwierigkeiten in den ersten Jahren entwickelte
sich die „Herzberger Schützengesellschaft 1407 e.V.“ zu einem aktiven und
lebensfrohen Verein in unserer Heimatstadt, der aufgeschlossen an
Veranstaltungen, Präsentationen und Vorhaben mitwirkt. Der Veranstaltungsplan
der Gilde im Ablauf eines Jahres wies viele Höhepunkte auf.
Erinnerungsfoto zum Schützenfest 2001
mit dem Bürgermeister, der Schützenabordnung, dem Schützenkönig, der
Jägerfahne und „Andreas Bolde“ (Guido Pfeiffer). Foto: A. Knuppe
Salutschießen
einer Schützengruppe mit dem spanischen Karabiner FR 8 (Kaliber 308,
Winchester) und der Kanone auf dem Marktplatz. Foto: A.
Knuppe Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Die
Wiedergeburt der Schützengilde (31) Die beim Schützenfest 1998 erstmals
präsentierte Kanone ist ein Nachbau aus dem Jahre 1534, für die extra eine
neue Lafette angefertigt werden musste. Sie wurde von den Schützenbrüdern E.
Kern, Gebrüder Gadegast, J. Enger, F. Wilknitz, R. Kunze, S. Stefani, W.
Mehlhase, G. Kranke, W. Heinze und H. Ikert gestiftet. Ihre historische
Inschrift lautet: L U C I F E
R D V Luzifer (Teufel) H E L L I S C H E R G E I S T Höllischer Geist A N U N S E R E N F E I N T An
unseren Feind D E I N M A C H T
B E W E I S Dein
Macht beweis M D X X XV 1534 Die Kanone besitzt ein Kaliber 69 mm.
Ihre zulässige Schussladung betrug 110 Gramm Schwarzpulver und ein Geschoss
im Gewicht von 1300 Gramm. Bei den heutigen Salutschüssen der Herzberger
Schützengilde wird auch Schwarzpulver und viel Mehl verwendet um den nötigen
„Pulverdampf“ zu symbolisieren.
Repro.:
Schützenarchiv Herzberg (Foto: „Wochenkurier“)
Foto: A.
Knuppe
Foto: A. Knuppe (1994) Schützenmitglieder sind sehr gesellige
Leute. Sie pflegen den Gemeinsinn, sind dem Frohsinn nicht abhold und
genießen dabei auch vielfältige irdische Genüsse. Welten trennen sie von den schwierigen
Problemen ihrer Vorgänger, die im frühen Mittelalter ihre Heimatstadt vor
beutegierigen Raubrittern und durchziehenden mordlustigen Söldnern zu
schützen hatten. Schon ein einfacher Geburtstag eines
Schützenkameraden kann zu einem Höhepunkt im Schützenvereinsleben führen. So
manches Schützenmitglied erinnert sich des leckeren Spanferkelessens zum 40.
Geburtstag des Schützenbruders Thomas Kreher oder des hervorragenden
Pflaumenkuchens der „Guten Seele“ der Gilde, der Mutter und Oma Kunze aus der
„Schliebener Straße“, die immer da ist, wenn sie irgendwie gebraucht wird.
Ihre Heimatverbundenheit und ihr Heimatwissen hilft den Mitgliedern der
Herzberger Schützengilde bei der Lösung örtlicher Fragen, Vorhaben und
Probleme. Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das neue
Schützenzentrum am „Weißen Berg“ (32) Wenn sich in der Vergangenheit ein
Herzberger Bürger für das Gelände nordöstlich von Kaxdorf interessierte, dann
war es „Papa Voegler“, der bekannte Heimatforscher und Konrektor der Herzberger
Volksschule. Er, der Spezialist für Vorgeschichte, liebte den Kaxdorfer
„Weißen Berg“, der in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts noch in Umrissen deutlich wahrzunehmen war. Der „Weiße Berg“ war
das Ziel seiner eigenen vorgeschichtlichen Forschung und das
Untersuchungsobjekt vieler Klassenwanderungen der Schüler aus der Herzberger
Volksschule und Mittelschule. Konrektor Voegler (1876-1957) sammelte auch
Sagen und Spukgeschichten aus dem Landkreis Schweinitz, darunter die
Geschichte der Kaxdorfer Magd Marthe, die am „Weißen Berg“ heilkräftige
Kräuter sammelte, um ihren Bauern vor dem Pesttod zu schützen. Der „Weiße Berg“, einst eine Sandinsel
im nacheinzeitlichen Elbe-Elster Urstromtal, wurde wie die Siedlung Kaxdorf
von Wasserarmen umflossen. Hier lebten Menschengruppen der Mittelsteinzeit,
die mit ihren Einbäumen hauptsächlich als Fischer, aber auch als Jäger und
Sammler im nahen „Gänse- und Großbusch“ ihr Leben gestalteten. Unzählige
Splitter aus nordischem Feuerstein, zu Schaber, Messer, Kratzer, Pfeil- und
Speerspitzen, Axt, Hacke und Harpune verarbeitet, sammelten Konrektor Voegler
und seine Schüler, bestimmten ihre Einordnung in geologische Zeittabellen und
erklärten ihre Verwendung. Auch nach dem Schulunterricht wühlte mancher
Schüler im weiß-gelblichen Sand weiter, um die eigene kleine Sammlung zu
ergänzen. Die jahrzehntelange spätere Ausbeutung
des „Weißen Berges“ als Bausand und Streusand ließ die Sandinsel immer mehr
schrumpfen. Sie erhielt in der DDR-Zeit ihren Todesstoß, als man die
Ausbeutungsmulden jahrelang als Ablagerungsfläche für Müll aller Art nutzte. Die neu gegründete Herzberger
Schützengilde nutzte zunächst den ehemaligen GST-Schießstand (bis 2005). Da
der Standort zwischen „Badstraße“ und Elsterwall/Elsterwehr zu eng und schmal
war und eine Erweiterung nicht zuließ und die nahen Behindertenwerkstätten
erweitert werden sollten, entschloss man sich einen neuen Standort für eine
Schießanlage mit Schützenhaus und Schützenplatz zu suchen. Schließlich wurde
eine ehemalige landwirtschaftliche Fläche nordöstlich vom „Weißen Berg“
erworben, die zuletzt dem „HWAZ“ (Herzberger Wasser- und
Abwasserzweckverband) gehörte. Hier entstand auf wilder Wurzel in jahrelanger
Arbeit, bei der viele Schützenmitglieder und Einwohner manche Stunde ihrer
Freizeit opferten, nach und nach ein neues Schützengildezentrum. Damals
führten noch schlecht befestigte Feldwege von Kaxdorf bzw. Grochwitz zum
neuen Standort. Inzwischen sind diese Wege mit einer Asphaltdecke befestigt.
Der Schießstand kann von der B 101 (Berlin-Dresden) über Kaxdorf nach 1500 m,
vom Ortsteil Grochwitz über „Zwiebels Mühle“ nach einer Wegstrecke von etwa
1300 m erreicht werden.
Wegweiser zum Schützenzentrum am
„Weißen Berg“. Standort: An der Abzweigung des Weges von „Zwiebels
Mühle“ und vom Ortsausgang Kaxdorf. Foto: J. Knuppe (2006) Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das neue
Schützenzentrum am „Weißen Berg“ (33) Das neue Schützenzentrum befindet sich auf einem Geländestreifen
von 45m Breite und 260m Länge. Es erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten
und endet unmittelbar am Elsterdamm. Seit 1998 sind hier ein längliches
Vereinsgebäude (Flachbau), links vom Haupteingang und ein massiver
Schießstand (rechts vom Eingang) errichtet worden. Die Grundsteinlegung für
die Schießanlage fand am 20. Oktober 2001 gegen 11 Uhr statt. Unter
Böllerschüssen einer Schützenabordnung wurde im Beisein des Bürgermeisters
der Kreisstadt Herzberg, Michael Oecknigk und des Dezernenten beim
Landratsamt des Elbe-Elster-Kreises, Kurt Herrmann, eine Hülse mit
Zeitdokumenten im Grundsteinbereich versenkt. Den 1. Mauerstein der Anlage
setzte das Ehrenmitglied der Herzberger Schützengilde, der damals 75-jährige
Walter Fellenberg. Der neue Schießstand verfügt über einen
25m Pistolenschießstand und einen 50m und einen 100m Großkaliberstand. Die
Anlage besitzt einen überdachten Kugelfang, ihre Seitenwände bestehen aus
Beton. Den Schützen stehen 8 Schießbahnen zur Verfügung, den Vorfläche durch eine
Holzlaufbahn geteilt von Grasflächen eingeschlossen wird. Die Anlage bekommt
in nächster Zeit noch ihre technische Ergänzung durch eine automatische
Trefferanzeige.
Der Vorsitzende der Herzberger Schützengilde Herr Fred Wilknitz
(Oberschützenmeister) und der Bürgermeister der Kreisstadt Herzberg, Herr Michael Oecknigk,
vor der 7. Schießbahn des Schützenzentrums am „Weißen Berg“. Foto: J. Knuppe Der Schießstand ermöglicht das Schießen
mit Kurzwaffen wie Pistolen und Revolver und mit historischen Vorderlandwaffen,
die Bleigeschosse aller Kaliber mit Druckluft, Federdruck oder CO 2-Druck
abfeuern. Die Herzberger Schützengilde stellt den Schießstand auch für fremde
Vereine zur Verfügung. Dafür werden dann pro Schütze die üblichen
Standgebühren erhoben.
Foto: J. Knuppe (2007) Foto: J. Knuppe (2007) Das vorläufige Vereinsgebäude (links vom
Haupteingang) besitzt alle notwendigen Räume für eine ordentliche Versorgung
und Durchführung von Veranstaltungen. Das Gebäude wird ölbeheizt, besitzt
eine Küche, ein Büro, Abstellräume und einen großen Versammlungsraum, indem
u.a. das historische Schützenbrauchtum gepflegt wird. Der Besucher findet
hier Königsschießscheiben aus allen Zeitabschnitten der jüngsten deutschen
Geschichte (Kaiserzeit, bis 1918, Weimarer Republik, bis 1933, Zeit des
„Tausendjährigen Reiches“, bis 1945 und Nachwendezeit, ab 1990).
Ausstellung
(1997) von Traditionsuniformen der alten Herzberger Schützengilde (bis
Kriegsende 1945): Von links:
Deutsche Kompanie, Grenadierkompanie, Jägerkompanie Foto:
Schützenarchiv Herzberg
Königsschießen
von Otto Franz (30. Juli 1939) Foto: J.
Knuppe Im Schützenzentrum „Weißer Berg“ spielt
sich ein Teil des internen und öffentlichen „Schützenlebens“ im Ablauf eines
Jahres ab. Jeden Sonntag besteht die Möglichkeit beim Frühschoppen den
Gedankenaustausch zu pflegen oder an Arbeitseinsätzen oder am Schießen
teilzunehmen. Höhepunkte sind u.a. das Neujahrsschießen im Januar, das
Jahresabschlussschiessen im Dezember und die gemeinsame Weihnachtsfeier mit
Angehörigen.
Blick auf das Vereinsgebäude des Schützenvereins
(links vom Haupteingang) Foto: J. Knuppe (2007) Das alljährliche Schützenfest ist in seiner Gesamtheit
geteilt. Um die Bevölkerung, Besucher und Gäste einzubeziehen, wird der
festliche Teil des Schützenfestes mitten in der Altstadt vor dem Rathaus auf
dem Marktplatz begangen, während der schießsportliche Teil in der
Schießanlage am „Weißen Berg“ abläuft.
Der massive
Schießstand der Schützengilde (rechts vom Haupteingang) Foto: J. Knuppe (2007) Wird
fortgesetzt! H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
Das neue Schützenzentrum am „Weißen
Berg“ (34) Seit dem 1.
Schützenfest nach der Wende und Wiedervereinigung sind folgende
Schützenkameraden der Herzberger Gilde Schützenkönig geworden: 1991 Roland Matz 1999 Walter Fellenberg 1992 Wolfgang Heinze 2000 Rene
Kunze 1993 Lothar Bauer 2001 Jürgen Knuppe 1994 Klaus-Dieter Gadegast 2002 Dirk Gadau 1995 Siegfried Stefani 2003 Uwe Knittel 1996 Manfred Fellenberg 2004 Jürgen Enger 1997 Dietmar Winkel 2005 Manfred Fellenberg 1998 Wolfgang Heinze 2006 Fred Wilknitz Für ihre
Verdienste um die Entwicklung der Herzberger Schützengilde wurden die
Schützenkameraden Walter Fellenberg, Rudolf Voigt und der Heimatforscher Kurt
Hartwich zu Ehrenmitgliedern ernannt. Zur „Herzberger
Schützengilde 1407 e.V.“ gehören folgende Schützenkameraden (Stand vom
07.12.2006): Lothar Bauer Rene
Kunze Jürgen Berge Rüdiger
Maaß Peter Bettke Heidrun
Maiwald Hans-Michael
Birnbaum Roland
Matz (Schießsportwart) Rüdiger Burkhard Wolfgang
Mehlhase Bernd Dahms Rigo
Müller Dirk
Ebenroth Kerstin
Münch Jürgen Enger
(verantw. Jugendarbeit) Guido
Pfeiffer Manfred
Fellenberg (1. Stellv. Vors.) Alois
Purma Walter
Fellenberg Erland
Rahe Bärbel
Freitag Maik
Reimann Hubert
Freitag Maik
Renger Dirk Gadau
(Fahnenträger) Sören
Ritter H.-Peter
Gadegast (Zeugwart) Uwe
Schädel K.-Dieter
Gadegast Joachim
Sehmisch Birgit Große Siegfried
Stefani Erhard
Grüner Hans-Georg
Strobl Volker
Heintze Marko
Suske Reinhard
Heinz Viola
Werner (Schriftführer) Wolfgang
Heinze Fred
Wilknitz (Oberschützenm., Vorsitzender) Torsten
Helemann Frank
Zinnow Heinz Ikert Dieter
Zwiebel Michael
Kindel Heiko
Zwiebel Jürgen
Knuppe Klaus
Kralisch Günter
Kranke Thomas Kreher (2. Stellv.
Vors.) Hans-Heinrich Krug (Schatzmeister) Die Zähigkeit und der
ungebrochene Wille mit dem die Herzberger Schützengilde seit der Wende und
der deutschen Wiedervereinigung den Aufbau ihres neuen Schützenzentrum am
„Weißen Berg“ vorangetrieben hat, verdient Anerkennung und Würdigung. Sie
lassen die 44 Jahre lange „Schützenfreie Zeit“ (Sowjetische Besatzungszone
und DDR-Zeit) vergessen. Beides, Zähigkeit und Wille, entspringt dem Wissen
um die Bedeutung der Kraft, die heimatverbundenen Bürger bei der Gestaltung
von Vorhaben im eigenen Lebensraum entwickeln können. Mögen die nach uns
kommenden Generationen der Herzberger „Bürgerschützen“ in der Neuzeit
weiterhin die Lehren aus der deutschen Geschichte beherzigen und dazu
beitragen, dass in Toleranz, in Demokratie und in Heimatliebe die
freiheitlichen Traditionen der ältesten Herzberger Schützengesellschaften bis
zum nächsten, dem 700-jährigen Jubiläum der Gilde, im Jahre 2107, im Frieden
erhalten bleiben! ++++++ Ende Quelle: H. Knuppe |
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||